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Rätselhafte Telefonnummer: Ausgerechnet ein Nürnberger Blumenhändler!

20.06.2013, von

Gestern kam im NSU-Prozess ein bislang wenig beachteter Ermittlungsvermerk zur Sprache. Zwei BKA-Kommissare haben das dreiseitige Papier vom 09. Mai 2012 geschrieben und weitere drei Seiten Anlagen beigefügt. Sie beschäftigen sich mit einer Handynummer der Telekom, die unter der Bezeichnung „Tino B.“ auf einer Festplatte von Carsten S. gefunden wurde. Schon die Festplatte gibt Rätsel auf. Es handelt sich um eine 1,5 Terrabyte große interne Festplatte, die im Februar 2012 bei Carsten S. sichergestellt wurde und aufgrund ihrer technischen Daten nicht besonders alt gewesen sein kann. Aus den Jahren vor 2000 – in denen S. Kontakt mit der Thüringer Neonaziszene hatte – kann die Festplatte keinesfalls stammen. Ist mit „Tino B.“ Tino Brandt gemeint? Und was hat es mit der Telefonnummer auf sich? Denn zumindest seit August 2000 ist die Nummer auf einen Geschäftsmann aus Nürnberg registriert. Ausgerechnet Nürnberg, Tatort von drei Morden des NSU und wohl eines weiteren Mordversuchs („Taschenlampenfall“). Und beim Geschäftsmann handelt es sich ausgerechnet um einen Blumenhändler. Wie das erste Opfer der Ceska-Serie in Nürnberg, Enver Simsek.  

Trotz seiner nüchternen Sprache klingt der Vermerk von Kriminalhauptkommissar K. und Kriminaloberkommissar B. alarmierend. Die beiden Beamten aus dem Referat ST14 „Staatsschutz -Zentralstelle rechts“ haben zunächst ermittelt, wem die Handynummer gehört. Dann haben sie geklärt, wo der Mann wohnt und was er beruflich tut. Daraus ziehen sie folgende Schlußfolgerungen:

  • Wohnung und Arbeitsstelle sind nahe von drei (heute müsste man wohl sagen vier) Tatorten in Nürnberg
  • Der Mann, auf den das Handy angemeldet ist und das erste Opfer waren Blumenhändler in der selben Gegend
  • Das Handy wurde ca. 4 Wochen vor dem ersten Mord angemeldet
  • Die Nummer hat S. aber nicht unter dem registrierten Namen notiert
  • Tino B. könnte Tino Brandt sein
  • Es ist unklar, warum Tino B. mit der Nummer des Mannes notiert wurde

Die Beamten kommen nüchtern zu dem Ergebnis, dass diese Telefonnummer für das Verfahren relevant sein könnte. Doch offenbar gingen die Ermittlungen nicht viel weiter. Denn am 08. Mai 2012 hatte die Einsatzleitstelle der Polizeidirektion Nürnberg die Personalien des Mannes überprüft (die Polizeidateien abgefragt). Weder in bayerischen, noch in bundesweiten Systemen habe es Erkenntnisse gegeben. Der Mann sei in jeder Hinsicht bislang unauffällig gewesen. Mögliche Abfragen beim Verfassungsschutz dokumentiert der Vermerk nicht. Ebenso gibt es keine Hinweise, dass der Mann gefragt wurde, ob er sich den Vorgang vielleicht erklären könne.

Für die Bundesanwaltschaft ist die Sache klar. Es handele sich wohl um eine frühere Telefonnummer von Tino Brandt, sagte Bundesanwalt Herbert Diemer gestern nach Verhandlungsende. Das BKA werde die Sache nun aber nochmals überprüfen. Immerhin: Mehr als ein Jahr nach dem ersten Durchgang.

Ob das wieder die Beamten K. und B. tun? Sie fanden die Sache immerhin interessant genug, um ihrem Vermerk eine Skizze beizufügen. Auf ihr sind die Tatorte der drei damals bekannten Morde sowie Wohnung und Läden des Blumenhändlers sowie dessen Weg von der Wohnung zur Arbeit eingetragen. Der Tatort Simsek liegt auf halber Wegstrecke. Und zwischen den anderen beiden Tatorten und den Läden des Mannes kann man eine gerade Linie ziehen.

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Kommentare zu „Rätselhafte Telefonnummer: Ausgerechnet ein Nürnberger Blumenhändler!“

Es sind 3 Kommentare vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

  1. Trino
    schreibt am 20. Juni 2013 16:12 :

    Wieso sprechen Sie Ihre Vermutungen nicht klar aus sondern ergießen sich ins Vage?

  2. Bert Grönheim
    schreibt am 21. Juni 2013 06:16 :

    Und wo ist jetzt die Skandalnachricht?

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