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Eklat: Braucht ein Nebenklägeranwalt Email und PC für den NSU-Prozess?

11.06.2013, von

In den vergangenen Wochen hat sich hinter den Kulissen ein bizarrer Kampf um ein Mandat als Nebenklagevertreter abgespielt: Ein Kölner Rechtsanwalt (von denen es ja mehr als fünfzig gibt) hatte sich als Nebenklagevertreter für ein Opfer des Anschlags in der Keupstrasse bestellt. Möglicherweise sah er das Mandat etwas legerer als andere Kollegen. Mit Sicherheit aber stammt seine Büroausstattung aus vergangenen Zeiten: Briefe schreibt er mit der Schreibmaschine, Korrekturen werden handschriftlich angebracht. Sollte ein Klammeraffe von Nöten sein, wird gemalt. Seine Sekretärin ist im Ruhestand, schrieb er dem OLG – ihm selbst sei das (Ruhestand) leider noch nicht möglich. Dann kam es zum Eklat.

Nachdem er das Gericht per Fax bat, ihm mitzuteilen, wann seine Mandantin als Zeugin geladen sei und hinzufügte, die restliche Terminsliste benötige er nicht, gab es ein gewisses Erstaunen. Als er dann nachlegte, Emails seien bitte an den Account seiner Frau zu schicken, da er selbst keinen habe, lehnte der Senat schlicht ab. Dabei hatte offenbar auch der Senat Probleme, den Anwalt per Fax zu erreichen.

Kurz darauf  meldete sich ein Anwalt aus Jülich beim Senat und beantragte die Entpflichtung des Kollegen. Als Gründe führte er unter anderem an, der Kollege habe einen Verhandlungstag vor dem Ende verlassen und Reisekosten nicht ordentlich abgerechnet. Es folgte ein reger Schriftwechsel – an dessen Ende nun offenbar die Nebenklägerin entnervt aufgegeben hat und nicht mehr am Prozess teilnimmt.

Für die Nebenklägerin das denkbar schlechteste Ergebnis. Aber leider hat man auch bei (wenigen) anderen Nebenklage-Anwälten den Eindruck, die Interessen der Mandanten stehen an letzter Stelle.

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Kommentare zu „Eklat: Braucht ein Nebenklägeranwalt Email und PC für den NSU-Prozess?“

Es sind 2 Kommentare vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

  1. Johann Tetzel
    schreibt am 11. Juni 2013 23:29 :

    „Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt!“

  2. Martin Lutter
    schreibt am 12. Juni 2013 06:53 :

    Si tacuisses, philosophus mansisses, Herr „Tetzel“.

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