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Antrag zurückgenommen: Das Kreuz mit dem Kreuz im NSU-Verfahren

07.06.2013, von

Kreuz im Verhandlungssaal

Das Kreuz im Verhandlungssaal

Ja, ein Kreuz hängt im Sitzungssaal des Münchner Oberlandesgerichts und ja, es sorgt für Diskussionen bei den Nebenklägern. Nun kann man trefflich darüber streiten, wie sich staatliche Neutralität und religiöse Symbole in öffentlichen Gebäuden zueinander verhalten. Das gilt für Kreuze im Gerichtssaal und Kopftücher in Schulen. Doch der Streit ist nicht neu und wird auch im NSU-Verfahren nicht endgültig entschieden werden. Denn Rechtsanwalt Adnan Menderes Erdal hat seinen Antrag zurück genommen. Allerdings könnte das Verfahren vielleicht etwas anderes erreichen: Das der Unterschied zwischen Kreuz und Kruzifix bekannter wird. Denn ein Kruzifix hängt dort – obwohl oft behauptet – nicht.

Im Saal hängt ein schlichtes Holzkreuz. Ein Kruzifix hingegen ist die Darstellung der Kreuzigung Jesu. Eselsbrücke: Beim Kruzifix ist Jesus auf dem Kreuz fixiert – was nicht nur im Sprachgebrauch einen Unterschied machen sollte, sondern auch für die Strafbarkeit der Peininger Jesu von Bedeutung gewesen wäre.

In seinem Antrag vom 09. Mai 2013 hatte Rechtsanwalt Erdal ursprünglich gefordert, das Kreuz zu entfernen, weil er die Religionsfreiheit seines Mandanten verletzt sah. Das Kreuz erwecke den Eindruck, als ob nur Mitglieder der christlichen Religionen unter dem besonderen Schutz des Gerichts stünden. Erdal vertritt einen türkischen Passanten, der im Juli 2004 zum Zeitpunkt des Anschlags in der Kölner Keupstraße war, weil er seinen Bruder in Deutschland besuchte.

Die Ombudsfrau der Bundesregierung für die NSU-Opfer, Barbara John, begrüßte die Rücknahme des Antrags ausdrücklich. Sie hatte Erdal zuvor darum gebeten. Sie sagte zu mir: „Ich freue mich darüber. Ich habe zu ihm gesagt, in dem Moment, wo es um einen besseren und engeren Zusammenhalt zwischen den lange Ansässigen und den Einwanderern geht, könnte ein solcher Antrag, das Kreuz zu entfernen, das Gegenteil bewirken.“

 

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Kommentare zu „Antrag zurückgenommen: Das Kreuz mit dem Kreuz im NSU-Verfahren“

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  1. Trino
    schreibt am 10. Juni 2013 09:01 :

    Wirklich erfreulich Rücksichtsvoll, die Rücknahme des Antrags !

    Auch wenn so ein Kreuz m.M. wirklich nichts in einem Gerichtssaal zu suchen hat, sollte das nicht im Rahmen dieses Prozesses geklärt werden …

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