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NSU: RA Pausch zieht die Notbremse – Aussage Carsten S. unterbrochen

06.06.2013, von

Der Zug raste in Richtung Prellbock – da zog Rechtsanwalt Johannes Pausch (Düsseldorf) die Notbremse und bat um eine Unterbrechung der Aussage seines Mandanten Carsten S. Mit vielen Erwartungen und Vorschusslorbeeren hatte sie gestern begonnen, doch je länger die Vernehmung dauerte, desto größer wurden (nicht nur) bei mir die Zweifel, wohin die Reise eigentlich geht. Über die Empathieprobleme habe ich ja bereits berichtet, hinzu kam am Nachmittag, dass der Vorsitzende immer nachdrücklicher und kleinteiliger nachfragte und wohl jeder im Zuschauerraum spürte, wie wenig überzeugt Manfred Götzl von den ausweichenden Antworten war. Nach einer kurzen Pause kam dann kurz vor halb vier  der Notruf seines Anwalts. War es zu spät?

Klar ist: Wenn das Anwaltsteam Johannes Pausch und Jakob Hösl auf einen Freispruch ihres Mandanten oder zumindest auf eine milde Jugendstrafe hinarbeiten sollte – und davon muss man ausgehen -, dürfen sie möglichst gar nicht in die Aussagen ihres Mandanten eingreifen. Jede Nachfrage, jeder Tipp, jedes Besprechen oder Absichern kann im Senat Zweifel wecken. Optimal wäre eim Angeklagter, der frei von sich aus alle Fragen beantwortet und glaubhaft wirkt. In einem Wort: authentisch.

Und so haben seine Anwälte ihn laufen lassen. Das sah zunächst gut aus – bis es ans Eingemachte ging und die immer bohrenderen Fragen des Vorsitzenden zu politischen Vorstellungen, innerer Einstellung und den Gedanken kamen, die sich Carsten S. damals gemacht hat oder haben könnte. Doch da kam nichts.

Es gab heute Nachmittag Phasen, in denen S. den Vorsitzenden nach einer Frage sekundenlang schweigend ansah – und dann doch nicht antworten konnte. Zum Beispiel, warum er seiner Meinung nach nach dem Untertauchen von Beate Zschäpe von Ralf Wohlleben als Kontaktmann ausgewählt worden sei. Oder warum man eigentlich Dönerbuden angegriffen habe? Schweigen.

Also zogen die Anwälte die Notbremse und baten um die Unterbrechung. Wie es am Donnerstag weiter geht, ist unklar. „Es entscheidet der Mandant“, sagt Jakob Hösl. Möglicherweise wird gewartet, bis der psychiatrische Gutachter Norbert Leygraf am Verfahren teilnimmt. Er konnte am Mittwoch aus Termingründen nicht. Macht Carsten S. nicht weiter, wird wohl von den Verteidigern von Holger G. eine Erklärung zu den Vorwürfen gegen ihn kommen.

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Kommentare zu „NSU: RA Pausch zieht die Notbremse – Aussage Carsten S. unterbrochen“

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  1. gerd-f
    schreibt am 13. Juni 2013 10:00 :

    „Oder warum man eigentlich Dönerbuden angegriffen habe? Schweigen.“

    Liegt es ggf. daran, daß die Marionette im NSU-Fake schlecht gebrieft wurde?
    Nun diese Frage des Richters, warum Dönerbuden, hätten die Vernehmer von Carsten S. vorab bedenken müssen

    Was mich verwundert ist eher warum so viele Kurden unter den Opfern

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