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Kuriositätenkabinett NSU-Prozess

14.05.2013, von

Der zweite Verhandlungstag beginnt erwartungsgemäß mit der Behandlung alter und neuer Anträge. Dazu später mehr. Immer wieder gibt es Unterbrechungen, Zeit, sich etwas im Saal umzusehen. Es lohnt sich, denn unter den Zuschauern gibt es bemerkenswerte Fundstücke. Wieder im Saal ist Maik E., Zwillingsbruder des Angeklagten André E. Die beiden Brüder trennen nur wenige Meter. Maik sitzt in der ersten Reihe der Empore, unmittelbar über Andrè. Er trägt heute – wie sein Bruder – ein schwarzes Shirt mit weißem „AC DC“ Aufdruck und langen Ärmeln. Mit ihm in der Warteschlange stand ein junger Mann mit Lippenpiercing. Bei ihm soll es sich um Daniel T., einem vorbestraften Neonazi handeln. Im Saal sitzen die beiden jedoch nicht nebeneinander.

Denn der Platz neben Maik E. wurde für Christoph Z. freigehalten, einem Mann mittleren Alters, der regelmäßig den „Buback-Prozess“ gegen Verena Becker besuchte und zeitweise seine Mitschriften am Ende des jeweiligen Tages an Michael Buback übergab. Daran wäre nichts besondere, hätte der Mann nicht im Laufe des Verfahrens durch sein sonstiges Verhalten für einiges Aufsehen gesorgt. Eine andere regelmäßige Besucherin fühlte sich mehrfach von ihm bedrängt: Unter anderem, weil Z. ihr einen Brief geschrieben hatte, in dem er nicht nur eine krude RAF-Verehrung offenbarte, sondern auch Sätze schrieb, die man als Bedrohung der Frau verstehen konnte. Daraufhin schritt das Stuttgarter Oberlandesgericht ein: Mehrfach wurde Christoph Z. von Justizwachtmeistern daran gehindert, sich der Frau zu nähern. Offenkundig gilt sein Interesse nun auch Rechtsterror-Verfahren.

Ebenfalls großes Interesse zeigt Gerichtspräsident Dr. Huber. Er steht auf der Zuschauertribüne, knetet mit den Fingern seine Unterlippe und lauscht den Anträgen, die ihn teilweise selbst betreffen.

Ein anderes Wiedersehen hatte ich heute Morgen vor dem Oberlandesgericht. Da traf ich nach fast genau vier Jahren einen Mann wieder, den ich für mich den „Skipper“ getauft habe. Er war ständiger Gast im „Sauerlandverfahren“ und im Prozess gegen den „Kofferbomber“. Freundlich, aber undurchsichtig. Damals notierte er sich in den Verfahren sehr spezielle Details und war offenbar im Auftrag des ein oder anderen Nachrichtendienstes im Gericht. Nun ist er also in München. Im Saal habe ich ihn allerdings noch nicht gesehen…

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