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Gerüchteküche: Attentat im NSU-Prozess?

08.04.2013, von

Je näher der für den Mittwoch der kommenden Woche geplante Beginn der Hauptverhandlung rückt, desto nervöser scheinen alle Beteiligten zu werden. Die Münchner Polizei beschäftigt derzeit ein Fax eines Rechtsanwalts aus Frankfurt am Main,  das am Abend des 02. April (und damit für einen Aprilscherz deutlich verspätet) beim Oberlandesgericht München eingegangen ist. Darin wird ein brisantes Gerücht mitgeteilt: Ihm will zu Ohren gekommen sein, schreibt der Anwalt, dass während der Hauptverhandlung ein Angehöriger eines der Mordopfer Selbstjustiz üben wolle. Dies solle mittels einer Schusswaffe geschehen, schreibt der Anwalt, nachdem er weitschweifige Ausführungen dazu gemacht hat, welche Randgruppen der Gesellschaft er „pro bono“ vertrete, sofern er sich nicht als Anwalt im Finanzsektor betätige.

Leider muss man einräumen, dass das Einschmuggeln von Waffen in Staatsschutzverhandlungen eine gewisse Tradition in Deutschland hat. Trotzdem sollte man dieses Schreiben wohl nicht allzu ernst nehmen. Denn der Schmuggel ist laut Gerücht des Absenders aus der Türkei mittels einer Person geplant die ihren „diplomatischen Status“ unter Umgehung der regulären Sicherheitskontrollen ausnutzen könnte. Kann man sich das vorstellen?

Wenn man dann noch merkt, dass der Absender offenbar weder in Kreisen Frankfurter Bankenrechtler, noch an den Strafgerichten weiter bekannt ist, die Anwaltskammer aber gleich weiß, um wen es sich handelt, wird das Bild klarer: Der Anwalt habe bereits in der Vergangenheit seine Zulassung entzogen bekommen, nun werde gerade (unabhängig von dem Hinweisschreiben an das OLG München) aufgrund neuer Vorkommnisse erneut der Entzug seiner Zulassung geprüft, heißt es. Es soll um standesrechtliche Verstöße gehen, bzw. gegangen sein – unter anderem habe auch eine Rolle gespielt, dass er keinen richtigen Kanzleisitz gehabt habe. Es wirke, als sei der Anwaltgeradezu auf der Flucht – es ist von Auseinandersetzungen mit einem unfreundlichen osteuropäischen Millieu die Rede.

Doch damit nicht genug: Mindestens „rechtspopulistisch“ sei seine Einstellung, hört man in gut informierten Kreisen der Frankfurter Justiz. Dazu würden dann auch die „Nationalisten“ und  „Islamkritiker“ passen, die er ausweislich seines Schreibens an den Münchner Senat „aus Überzeugung“ vertritt.  

Auf meine Nachfragen zu seinem Brief reagierte der Absender höchst abweisend: „Es ist nicht beabsichtigt, zu Ihrer Anfrage Stellung zu nehmen“, teilte er mir heute mit. Deswegen bitte er mich höflich, doch keine weiteren Anfragen an ihn zu stellen.

Dem Mann kann geholfen werden.

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