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Salafisten-Plot: Polizei vergißt Blick in den Kühlschrank

16.03.2013, von

Leicht chaotisch und noch schwer einzuschätzen sind die Ermittlungen gegen die vier mutmaßlichen „Leverkusen-Attentäter“ rund um den deutschen Konvertiten Marco R. G. Die vier Männer wurden schon länger beobachtet, weil sie einen Anschlag auf Pro-NRW-Funktionäre geplant haben sollen. Doch stecken sie auch hinter der Bonner „Taschenbombe„? Den Durchbruch in dieser Frage könnte der Kühlschrank in der Wohnung von Marco G. bringen. Doch ausgerechnet hier haben die Ermittler bei ihrem ersten Hausbesuch nicht nachgeschaut…

Unklar ist, wer den Tipp zur erneuten Nachschau gegeben hat. Hatte der Verfassungsschutz einen V-Mann im Kühlschrank, verplapperte sich ein Beschuldigter oder hatte ein Ermittler eine nachträgliche Eingebung? Gestern wurde jedenfalls nochmal durchsucht, diesmal auch in den Kühlschrank geschaut – und siehe da: weiterer Sprengstoff gefunden. Hier gilt, was wir in der Redaktion das „1. SWR-Gesetz“ nennen: „Wenn man’s richtig macht, dann klappt’s auch.“ Wenn jetzt Bundesermittler über diesen Lapsus der NRW-Polizei lästern, muss allerdings daran erinnert werden: Auch das BKA hat schon gravierende Dinge übersehen – zum Beispiel den Pass von Fritz Gelowicz in einem Küchenschrank zwischen dem Geschirr.

Doch bringt der gefundene Sprengsstoff schon den Durchbruch bei der Suche nach den Tätern im Fall „Taschenbombe“? Vielleicht. Aber dazu müsste schon nachweisbar sein, dass es nicht nur „auch“  Ammoniumnitrat ist, wie in der Bonner Tasche, sondern „genau das“ Ammoniumnitrat. Es müsste sich also um die identische Charge handeln, um (für sich genommen) ein ernsthaftes Indiz zu sein. Solch eine Übereinstimmung ist durch gewisse chemische Besonderheiten nachweisbar – doch das ist eine komplizierte und langwierige chemische Untersuchung. Gut möglich also, dass in diesen Stunden Dr. S.-L., der BKA-Fachmann für „exotische Dinge„, in seinem Labor steht und hingebungsvoll Reagenzgläser schüttelt… 

Andere Spuren scheinen dagegen eher vage zu sein. Der „Focus“ will wissen, das Marco G. kurz vor seiner Festnahme von „Bonn“ gesprochen hat. Nach meinem Eindruck ist das aber eher Wunschdenken. Fest steht dagegen, dass G. mindestens vor seiner Konversion nicht gerade Staatsanwalts Liebling war: Es soll einige Vorstrafen aus dem Bereich Allgemeinkriminalität geben.

Interessant ist übrigens noch, dass die Ermittlungen gegen die Gruppe wohl mit dem 23jährigen Deutschtürken Tayfun S. in Essen begannen. Er soll früher Kontakte in den Bereich der Sauerlandgruppe gehabt haben. Über ihn gerieten wohl die anderen Beschuldigten in den Blick der Ermittler: Marco G., Enea B. (mit 42 Jahren der Senior der Gruppe, er saß mit Marco im Auto) und Koray D., 24, der in der Wohnung von G. festgenommen wurde.

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