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Der Koran wird Makulatur

13.06.2012, von

Die „Katholische Nachrichtenagentur“ KNA meldet soeben, dass die Ulmer Druckerei „Ebner & Spiegel“ ihren Geschäftsführer entlassen hat, weil dieser ohne Absprache mit der Holding, zu der die Druckerei gehört, erneut 50.000 Koranexemplare für eine wohl salafistische Vereinigung drucken liess. Rein betriebswirtschaftlich eine erstaunliche Entscheidung: Jemand muss gehen, weil er einen  (nicht gerade kleinen) Auftrag an Land gezogen hat. Doch die Empörung in der Holding soll erheblich sein: Die bereits gedruckten, aber noch nicht zu Büchern gebundenen Seiten werden eingestampft, berichtet KNA. 

Darüber dürfte sich der Initiator der Verteilaktionen, Ibrahim Abou-Nagie, nicht wundern. Er hatte schon im Interview mit mir über den – im Wortsinne – „Druck“ geklagt, der im Frühjahr auf die Druckerei wegen seines Auftrags ausgeübt worden sei.

Nun stehen alle Beteiligten vor einer Reihe von Problemen: Der Geschäftsführer dürfte sich einen guten Arbeitsrechtler suchen und die Auftraggeber könnten sicher auch auf die Idee kommen, nun Ansprüche gegen die Druckerei zu prüfen. Die Salafisten dürften sich aber vor allem den Kopf darüber zerbrechen, ob man so ohne weiteres die Druckbögen des Korans einstampfen darf – wie es die Druckerei angekündigt hat. Ist das schon eine heilige Schrift? 

Wohl nicht, sagt ein Fachmann. Auch in der arabischen Welt sei es bei der Koranherstellung durchaus üblich, dass falsch oder überzählig Gedrucktes (die so genannte Makulatur) wieder eingestampft wird, erzählt mir ein versierter Islamwissenschaftler.

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Kommentare zu „Der Koran wird Makulatur“

Es sind 8 Kommentare vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

  1. Kastuk
    schreibt am 13. Juni 2012 18:44 :

    Leider interessiert die radikaleln Islamisten nicht, was irgendwelche versierten Islamwissenschaftler sagen und man kann nie ausschließen was irgendwelche Wirrköpfe unter ihren Turbanen ausbrüten.

  2. M
    schreibt am 13. Juni 2012 18:49 :

    Da es sich um eine Übersetzung handelt, ist das Einstampfen in jedem Fall unproblematisch. Übersetzungen gelten nicht als heillig, nur für Texte im arabischen Original müssen besondere Vorkehrungen bei der Vernichtung getroffen werden.

  3. Statistiker
    schreibt am 13. Juni 2012 21:12 :

    Was der Koran mit Terror zu tun hat, wird wohl auf immer ein Geheimnis dieses Blogautors sein…..

  4. Der mit den Vögeln tanzt
    schreibt am 14. Juni 2012 00:59 :

    Soweit ist es mittlerweile in Deutschland gekommen: Das Drucken einer ungefähren deutschen Übersetzung des heiligen Buches einer Weltreligion stellt offensichtlich ein Problem dar für die Demokratisten und soll verhindert werden! Dann bitte ich auch Gleichberechtigung für die anderen Religionen: Die Mormonen soll verboten werden, ihre Bücher zu verteilen, wie die es schon seit über 10 Jahren machen. Und den Zeugen Jehovas sollte es ebenfalls verboten werden, ihre Zeitschrift „Wachtturm“ öffentlich anzubieten.

  5. Sieyès
    schreibt am 14. Juni 2012 09:56 :

    In dem Fall kann ich durchaus einen Grund sehen, warum der Geschäftsführer Ärger bekommt. Wenn analog eine Druckerei in SPD-Hand wäre und für die CDU Wahlwerbung druckt, würde der Geschäftsführer sicher auch zu einem Gespräch geladen. Wenn man für die Konkurrenz druckt, muss man schließlich mich Nachfragen rechnen. 😉

  6. HansDampf
    schreibt am 14. Juni 2012 11:28 :

    Wieso gibt es hier keinen „Gefällt mir“ Button???

  7. Juza46
    schreibt am 16. Juni 2012 11:30 :

    Ja, ich muss die Frage wiederholen: Was hat der Koran mit dem Terror zu tun? Übrigens hatte ich mir einen dieser Korane bestellt. Der sah einfach besser aus, als der aus den 2000er Jahren aus einem anderem Verlag. Ausgeliefert wurde er nicht. Na ja, lese ich halt weiter in der alten Ausgabe.
    freundliche Grüße

  8. Susy
    schreibt am 17. Juni 2012 12:21 :

    Ich habe noch eine alte Koran-Übersetzung aus der Reclam-Reihe im Keller. An die halte ich mich demnächst, wenn ich es mal brauchen sollte. Die haben wir in den 70er Jahren im „Reli“-Unterricht verwendet, als es noch ein richtiger Religionsunterricht war, nämlich Unterrichtung über die verschiedenen Religionen dieser Welt, nicht dieser einseitige Bekenntnisunterricht, die Kirchen und anderen Konfessionen heute den Schülern aufzwingen

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