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Die Meisterin der Ankündigung

12.06.2012, von

Am Mittag übernahm Oberstaatsanwältin beim BGH Silke Ritzert das Plädoyer. Sie machte es spannend. Denn die Anwesenden – und vor allem wir Journalisten – warteten natürlich seit dem Morgen auf den konkreten Strafantrag und die Aussage, welche Begehungsform (Mittäterschaft oder Beihilfe) der drei Morde die Bundesanwaltschaft bei Verena Becker für gegeben hält. Dabei ist es im staatsanwaltlichen Schlussvortrag absolut üblich, diesen Antrag erst am Schluss des Plädoyers zu formulieren und bis dahin durch die Würdigung der Beweisaufnahme auf diesen Antrag hin zu argumentieren.

Doch Silke Ritzert, die am Mittag den Vortrag von Bundesanwalt Walter Hemberger übernahm, hatte erst wenige Minuten vorgetragen, als sie zu dem Ergebnis kam: „wir halten Verena Becker für schuldig“. Alle Anwesenden waren sofort (wieder) hellwach. Schuldig wessen? Das liess Ritzert offen. Einige Zeit später kam die nächste interessante Ankündigung: „Später“ im Plädoyer werde sie „in nicht öffentlicher Sitzung“ Einzelheiten zur Würdigung von Verfassungsschutzunterlagen vornehmen.

Doch auch dazu kam es heute nicht. Das Plädoyer der Bundesanwaltschaft wurde – trotz eines fast siebenstündigen Vortrages nicht fertig. Nun geht es am Donnerstag weiter, bevor Michael Buback sein Plädoyer beginnt. Er brauche zwei Tage, erklärte Buback heute nochmals. Somit könnte es sein, dass sich sein Vortrag noch auf den kommenden Montag ausdehnen wird.

Fest steht also bis jetzt: Die Bundesanwaltschaft wird für Verena Becker erwartungsgemäss keinen Freispruch beantragen. Im Gegenteil: Ihre Einlassung sei in weiten Teilen nicht glaubwürdig. Doch wie gravierend die Ankläger ihre Rolle bei der Ermordung einschätzen, werden wir erst am Donnerstag erfahren.

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Kommentare zu „Die Meisterin der Ankündigung“

Es ist ein Kommentar vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

  1. Andrea
    schreibt am 15. Juni 2012 14:14 :

    Hallo Herr Schmidt !

    Sind denn die Taten, nach über 30 Jahren nicht längst verjährt?
    Normalerweise verjährt doch alles nach 30 Jahren – außer Mord natürlich.
    Und da Frau Becker nicht die Mörderin war, lt. Bundesanwaltschaft, ist das für außern stehende
    überhaupt nicht nachvollziehbar wieso am Ende doch noch eine Haftstrafe ansteht.

    Meine Frage: Wieso gelten die Taten nicht als verjährt? Bitte um Antwort 😉
    Liebe Grüße,
    Andrea

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