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Was Verena Becker und Akte X gemeinsam haben

15.05.2012, von

Verena Becker - wie bei "Akte X"?!

Verena Becker – wie bei „Akte X“?!

 Der Fall Buback und die Frage nach der Beteiligung von Verena Becker erinnern mich schon lange an „Akte X“ und Fox Mulders Suche nach der Wahrheit in rätselhaften Fällen. Inspiriert von Akte X ist während der Recherchen im Mordfall Buback ein kleines selbstgemachtes Plakat entstanden, angelehnt an ein Plakat, dass bei Special Agent Mulder im (fiktiven) Büro hängt. Selten fand ich es treffender als gestern.

 

Kann man Verena Beckers Teileinlassung glauben? Was ist von dem 20minütigen Statement zu halten? Im Hörfunk habe ich es wie folgt kommentiert:

„Die Aussage von Verena Becker war von vielen Prozessbeobachtern mit großer Spannung erwartet worden – doch diese Erwartungen mussten praktisch enttäuscht werden. Denn in den vergangenen Tagen entstand in vielen Medien der Eindruck, die Angeklagte würde Geschichtsschreibung betreiben wollen, zahlreiche Interna der RAF preisgeben und einen neuen Blick auf den linken Terror der 70er Jahre ermöglichen. Teilweise konnte man den Eindruck bekommen, noch nie habe ein RAF-Mitglied vor Gericht ausgesagt – was genauso wenig richtig ist, wie der Eindruck, es hänge nur an Verena Becker, was aus dem Prozess gegen sie wird.

 

Doch auch wer heute mit der realistischen Erwartung in den Gerichtssaal ging, Becker werde etwas zu ihrer ganz persönlichen Rolle und zu den Fragen von Schuld, Verantwortung und Reue sagen, wurde enttäuscht. Nicht einmal die Rolle des Verfassungsschutzes, bei dem sie ganz unzweifelhaft in den 1980er Jahren eine Aussage gemacht hat, die offiziell in einer fast schon rührend anmutenden Verbohrtheit als geheim eingestuft ist und von der es heißt, die Quelle – also Verena Becker – werde nach wie vor nicht offenbart, war für Verena Becker kein Thema.

 

Diese Defizite ihrer Aussage gerieten aber fast in Vergessenheit, weil sich Verena Becker gut präsentierte, gefasst und in sich ruhend einen umgangsprachlich aber juristisch offenkundig ausgefeilten Text vortrug – und insgesamt glaubhaft wirkte. Befriedigt hat das trotzdem nicht. Eben weil so viele Fragen offen bleiben.

 

Allerdings darf man dabei eines nicht vergessen: Verena Becker ist und bleibt eine Angeklagte in einem Mordprozess. Sie ist auf der juristischen Ebene gut beraten, sich taktisch zu verhalten. Denn es geht um den schwersten Strafvorwurf, dem man im Rechtsstaat ausgesetzt sein kann. Gemessen daran hat Verena Becker heute optimal gehandelt und dabei wahrscheinlich viele Ratschläge ihrer erfahrenen Strafverteidiger befolgt. Doch das ist nur eine Ebene.

 

Einen anderen Rat hat sie heute nicht befolgt: Die frühere RAF-Terroristin Silke Maier-Witt, die selbst schonungslos gegen sich selbst zu ihren Taten steht, öffentlich bereut hat und bis heute Ihre Arbeit im internationalen Friedensdienst als Wiedergutmachung sieht, hatte Verena Becker schon vor einem guten Jahr im Gerichtssaal ins Gesicht gesagt, dass man ihrer Meinung nach den Frieden mit der alten Zeit nur durch Reue und Offenheit finden könne.

 

Verena Becker hat heute gesagt, sie sei seit ihrer Begnadigung 1989 auf ihrem eigenen Weg weg von der RAF. Mir scheint, dass dieser Weg noch lange nicht zu Ende ist. Eben weil so viele Fragen offen bleiben. Deshalb dürfte auch das nun bald zu erwartende Urteil des OLG Stuttgart dabei nur eine Etappe sein – egal, wie sehr die Richter Verena Becker glauben.“

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Kommentare zu „Was Verena Becker und Akte X gemeinsam haben“

Es sind 2 Kommentare vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

  1. Andrea
    schreibt am 18. Mai 2012 18:04 :

    Das Plakat gefällt mir 😉
    Geht das in Druck?
    Wäre doch mal eine Idee….
    Für den Erlös daraus hätte ich dann auch schon einen Vorschlag zum Verwendungszweck.
    Danke jedenfalls,
    Andrea

  2. Rally
    schreibt am 22. Mai 2012 18:28 :

    Frau Becker soll einen Mord zugeben, sich entschuldigen bei Gott und der Welt, ein Kapitel der Geschichte der Bundesrepublik reuevoll abschließen helfen…
    Womöglich den Rest ihres Lebens erneut ins Gefängnis gehen?
    Damals herrschten andere Gesetze, oder besser, Gesetze wurden von allen Seiten mißachtet und verändert.
    Heute geben Politiker, Manager, Personen in verantwortungsvollen Positionen, wesentlich kleinere Vergehen nicht zu oder zeigen Reue..
    Noch dazu finde ich Verena Beckers Verhalten, Beweggründe und Äußerungen nachvollziehbarer, als die des Herrn Bubacks..
    Vielleicht lieg ich falsch und möchte bitte keine Gefühle verletzen,aber ich hätte mich entschlossener und vor allem viel früher
    um die Wahrheit, Aufklärung bemüht, wenn es um den Mord des Vaters geht…

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