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Zschäpes Katzenjammer: Chance für das BKA!

15.02.2012, von

Ihre Familie sei tot, soll Beate Zschäpe kurz nach ihrer Festnahme der Polizei gesagt haben – und sie meinte damit wohl die beiden Toten, Uwe Mundlos und Uwe Bönhardt. Neben ihrer Großmutter sollen es ihre einzigen wirklichen Bezugspersonen gewesen sein. Und dann gibt es da noch zwei Katzen, die der mutmasslichen Terroristin offenbar sehr wichtig sind und um die nun eine schildbürgerhafte Diskussion entstanden ist. Es geht um den Unterhalt für die Katzen – und eine Forderung des Tierheims an das Bundeskriminalamt!

Beate Zschäpe hatte vor dem Brand ihrer Wohnung (den sie mit hoher Wahrscheinlichkeit selbst gelegt hat) die Katzen in der Nachbarschaft abgegeben – um sie in Sicherheit zu bringen und sie auf der Flucht nicht mitnehmen zu müssen, wie die Ermittler vermuten. Inzwischen sind die Katzen im Tierheim und die Frage ist, wer dafür bezahlen muss. In der ersten Woche (04. November bis 11. November 2011) hatte die sächsische Polizei die Kosten übernommen. Dann ging das Verfahren an die Bundesanwaltschaft – und die Landespolizei sah sich aus dem Schneider. Doch das Bundeskrminalamt will nun nicht für die Katzen bezahlen, beklagt das Tierheim gegenüber dem MDR.

Eine reichlich absurde Diskussion.

Doch lässt man sich auf sie ein, wird man wohl zu dem Ergebnis kommen müssen, dass die Ermittlungsbehörden die Katzenpension zahlen müssen. Aus zwei Gründen:

Erstens (auch wenn das vielen Menschen nicht passen wird) muss Frau Zschäpe bis auf weiteres wie jeder andere Beschuldigte zunächst als unschuldig gelten, bis sie ggf. verurteilt wird. Insofern wäre eine vorübergehende Unterbringung der Katzen meiner Meinung nach sehr wohl durch die Ermittlungsbehörden zu übernehmen, sofern sich im familiären Umfeld keine andere Lösung finden lässt. Sollte es zu einer Verurteilung kommen, würden die Kosten Frau Zschäpe auferlegt – allerdings dürften es dann im Vergleich zu zahlreichen anderen Kosten die ihr in Fall einer Verurteilung drohen, eher die sprichwörtlichen „Peanuts“ seien.

Die Weigerung der Polizei, die Kosten zu übernehmen, verwundert aber noch aus einem ganz anderen Grund: Die Katzen sind für die Ermittler ganz offenkundig ein Ermittlungswerkzeug!

Bereits in ihrer ersten Vernehmung sagte Beate Zschäpe, sie wolle keine Angaben gegenüber der Polizei machen. Die Beamten notierten dies – und verwickelten sie sodann in ein privat anmutendes Gespräch. „Mehrfach fragte Frau Zschäpe nach dem Wohlergehen ihrer Katzen“, notierte der Beamte P. der Mordkommission Südwestsachsen. Denn die Katzen „habe sie ja vor dem Brand nach unten gebracht“.

Einige Tage später nutzte auch das Bundeskriminalamt die Katzen zur Informationsgewinnung: „Zu zwei Katzen, die sie unmittelbar nach Brandausbruch (…) einer Nachbarin überlassen habe, wollte sie zunächst keine Aussage treffen“. Beate Zschäpe fürchtete, sich über die Katzen selbst belasten zu können, notierte Kriminaloberkommissar L. über seinen Besuch Ende November in der JVA Köln. Er habe daraufhin im Gespräch angedeutet, „dass die Polizei mit dieser Zuordnung bereits sehr weit vorangeschritten sei“.

Es stellt sich somit die Frage, ob die Kosten der Katzen-Unterbringung nicht eine „besondere Auslage“ im Sinne des § 465 Absatz 2 StPO ist. Eben weil die Ermittler die Katzen immer wieder als Gesprächshilfe mit der Beschuldigten nutzen Wären die Katzen anderweitig untergebracht oder würden sie als frauchenlose Katzen im Tierheim angeboten, hätte das BKA ja möglicherweise einen wesentlichen Kontaktansatz verloren… 

 

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