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„Brüder, lasst uns die Arbeit zu Ende führen!“

08.12.2011, von

Nach der Festnahme der Mitglieder der „Düsseldorfer Zelle“ Ende April vermuteten die Ermittler, es könnten noch mehr als die drei festgenommenen Männer zu der Terrorzelle gehören. Doch in der Öffentlichkeit wurde es still um die Gruppe – besonders seit sich die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf den rechtsterroristischen „Nationalsozialistischen Untergrund“ richtete. Dabei lief seit Mai eine aufwendige Ermittlungsaktion von Bundeskriminalamt, Bundesanwaltschaft und Verfassungsschutz nach weiteren Helfern der Zelle. Heute wurde einer von ihnen in Bochum festgenommen – nach monatelanger Observation.

Es handelt sich um den 27jährigen Halil S., einem deutschen Staatsbürger, der schon im April mit den drei verhafteten mutmaßlichen Terroristen Abdeladim El K., Jamil S. und Ahmet C. in Kontakt stand. Er sollte Material für die Gruppe besorgen – unter anderem mit illegal beschafften bzw. gehackten Kreditkarten, mit denen dann wiederum im Internet eingekauft werden sollte. Dabei arbeitete der mutmaßliche Terrorist mit Internetbetrügern aus Hamburg und Schleswig-Holstein zusammen, die allerdings nichts von seinen Terrorplänen gewusst haben sollen.

Nach der Festnahme seiner „Brüder“ Ende April verhielt sich Halil S. zunächst auffallend ruhig. Allerdings soll er zwei Tage nach dem Auffliegen der „Düsseldorfer Zelle“ ein Gerät zum Aufspüren von Abhörwanzen bei Ebay bestellt haben. Genützt hat ihm das Gerät aber offenkundig nichts.

Mehr oder weniger rund um die Uhr hatten ihn die Ermittler im Blick. Immer wieder wurde diskutiert: Wann ist der richtige Moment für einen Zugriff? Besteht die Gefahr, dass er die Observation entdeckt? Immer wieder gab es aber auch zwischen den Behörden die Diskussion, wie lange eine große Zahl von Beamten für die Observation abgestellt werden sollte. Würde Halil S. wieder in die Terrorvorbereitung einsteigen? Wie ernst und vor allem wie konkret war der Auftrag des inzwischen inhaftierten Anführers an die möglichen anderen Gruppenmitgliedern. Was war von dem Satz zu halten, die „Brüder“ sollten die Arbeit „zu Ende“ führen?

Doch ausgerechnet die Verteidigung eines der drei Beschuldigten sorgte dafür, dass die Ermittler gute Gründe für die weitere Observation bekamen: Sie stellten für Ahmet C. einen Antrag auf Haftprüfung beim Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof, mit dem Ziel, ihren Mandanten wieder frei zu bekommen. Der Ermittlungsrichter verwarf im September den Antrag und machte deutlich, wie er den Fall sieht: Der Anführer der Gruppe, Abdeladim El K., habe für Al Qaida weitere Mitglieder angeworben und in das Terrornetzwerk aufgenommen – darunter eben auch Ahmet C. Dafür gebe es konkrete und deutliche Indizien. Unter anderem ein Schreiben El K. an seine Terrorführer, in denen er seine Pläne und Ziele darlegt. Juristisch bedeutet das, dass die Düsseldorfer Zelle wohl eine eigene inländische Terroristische Vereinigung ist, die der großen Al Qaida zuarbeitet.

Und Halil S. soll seine Sache nach einiger Pause kräftig weiterbetrieben haben, sagen die Ermittler: Unter falschem Namen seien Bankkonten eröffnet worden und auf Ebay sei betrogen worden, was das Zeug hielt. Doch im Gegensatz zu den anderen Cyberkriminellen, mit denen er die Taten begangen haben soll, ging es Halil S. nicht um den schnellen Profit, sondern um den Jihad. Das dürfte für seine Mittäter heute eine zusätzliche Überraschung werden.

Das Thema Mittäter der Düsseldorfer Zelle dürfte damit zunächst erledigt sein. Zwar wurden heute auch die Wohnungen von fünf weiteren Personen durchsucht, die aus dem Umfeld von Halil S. stammen und unter anderem in Bochum, Herne und Düsseldorf leben. Doch sie gelten bislang eher als Randfiguren.

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Kommentare zu „„Brüder, lasst uns die Arbeit zu Ende führen!““

Es sind 3 Kommentare vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

  1. Rolph
    schreibt am 8. Dezember 2011 19:35 :

    Bleibt noch immer die Frage, was die NSU und der Mord an der Polizeibeamtin M. Kiesewetter (Heilbronn, 2007) mit diesem Vorgang zu tun haben, bzw. wo hier die Zusammenhänge liegen.

  2. John F
    schreibt am 9. Dezember 2011 10:35 :

    … und wer zum Henker hat Kennedy erschossen?

  3. MH
    schreibt am 9. Dezember 2011 15:54 :

    Was für einen Müll verkaufen uns Innenminister Friedrich, die Sicherheitsbehörden und die Medien denn da einmal wieder? Ein „hochgefährlicher“ Geldbeschaffer, Internetbetrüger und Terror-Azubi musste in meiner Heimatstadt Bochum medienwirksam durch die GSG 9 verhaftet werden, hat er doch die unglaubliche Summe von 5000 € zwecks Finanzierung einer ach so bedrohlichen Terror-Dilettanten-Zelle aufgebracht, die weder konkrete Anschlagspläne noch Waffen oder einen vollständigen Chemikaliensatz zur Herstellung von Sprengstoffen besaß. Aber es soll ja Leute geben, die vom Hören-Sagen gesehen haben wollen, dass auch schon mal ein Grillanzünder von ganz alleine explodiert! Hierzu passend wärmt die Presse natürlich auch die vereitelte Mega-Bedrohung durch die Sauerland-Gruppe wieder auf. Die Aussagen der Sauerland-Terroristen beim BKA wurden seinerzeit komplett im Intranet des Bundesamtes für Verfassungsschutz veröffentlicht. Zu diesem Zeitpunkt wunderten sich dann auch die einfachen Mitarbeiter des Verfassungsschutzes über die unglaubliche Unfähigkeit dieser Möchte-gerne-Terroristen einer dermaßen hochstilisierten „Superbedrohung“ für unsere Demokratie. Die „Bochumer Terrorzelle“ wurde mit einem wahnsinnigen Aufwand observiert, warum werden diese Kapazitäten nicht zur Bekämpfung von rechten Mörder-Terroristen eingesetzt, die sowohl das Know-how als auch den Zugang zu Waffen und funktionstüchtigem militärischen Sprengstoff besitzen? Warum steht der Verfassungsschutz dieser realen Bedrohung beobachtend und beratend zur Seite? Weil rechte Terroristen den gewünschten Terror produzieren, Islamisten hingegen erteilt man keine Lizenz zum (potentiellen) Töten! Die Fortsetzung der Äußerung ihrer diffusen Anschlagsplanungsideen einschließlich ihrer zum Scheitern verurteilten Sprengstoffexperimente mussten bereits weit im Vorfeld einer zu erahnenden aber nicht ganz auszuschließenden Bedrohung vereitelt werden, um die weitere Ermordung von Zivilisten im Nahen Osten im „Krieg gegen den Terror“ zu rechtfertigen. Wer schützt uns vor Staatsterrorismus, wer schützt uns vor dem Verfassungsschutz?

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