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Selek zu zwei Tagen Papst verurteilt

12.08.2011, von

War es ein Versehen oder eine besonders subtile Form der Strafe? Atilla Selek hat bei der Aussetzung seiner Strafe zur Bewährung vom Oberlandesgericht Düsseldorf Auflagen bekommen, die nun manchem baden-württembergischen Polizisten Bauchmerzen bereiten. Denn das OLG  hat verfügt, dass Atilla Selek in Freiburg leben und dort seine Schulausbildung beenden soll. Freiburg erwartet aber Ende September den Besuch des Papstes. Und die örtliche Polizei kann eine Menge gebrauchen (zum Beispiel Verstärkung), aber nicht auch noch einen islamistischen Terrorhelfer in der Bewährung als zusätzliche Aufgabe. Das Problem an der Sache: Wenn sich Selek an die Auflagen des OLG hält, ist er zugleich ein Risikofaktor für den Papstbesuch. Eine echte Zwickmühle.

Beim Planungsstab der Polizei („BAO Mitra“) für den Papstbesuch heißt es dazu: „Die Personalie ist bekannt, wir sind dran, eine Lösung zu suchen“. Wie eine Lösung aussehen kann, dazu gibt es offiziell keinen Kommentar. Besonders viele Möglichkeiten gibt es aber nicht. Ein „Sicherheitsgespräch“ kommt in Betracht, bei dem man ganz offen mit dem Betroffenen die Situation bespricht und ihm klar macht, welches Verhalten für beide Seiten das Beste wäre: Nur zur Ausbildung das Haus verlassen und während des Papstbesuchs ansonsten in der eigenen Wohnung zu bleiben. Rechtlich wäre auch eine präventivpolizeiliche Verfügung möglich, dass Selek während des Papstbesuchs gewisse Stadtbereiche meiden muss. Aber auch das müsste man dann kontrollieren. Ergänzend kommt schließlich eine (verdeckte) Observation oder eine offene Überwachung in Frage. Polizeibeamte würden dann mehr oder weniger rund um die Uhr Atilla Selek begleiten – so wie sie es mit den freigelassenen, ehemals sicherheitsverwahrten Straftätern tut.

Doch derzeit  muß die Freiburger Polizei neben allen anderen Aufgaben noch drei (von ehemals sieben) Ex-Sicherheitsverwahrten rund um die Uhr observieren. Je nach „Dichte“ der Observation werden dazu bis zu 20 Beamte gebraucht. Dazu dann noch Atilla Selek – die Begeisterung der Polizei hält sich in engen Grenzen.

Und den Ermittlern ist auch klar, dass solche Probleme künftig häufiger auftreten werden: Schon jetzt gibt es einige ehemalige islamistische Terroristen und Terrorhelfer, die nach der Verbüßung ihrer Strafe wieder in Freiheit sind, aber nur bedingt für resozialisiert gehalten werden. Deshalb entwickelt die Polizei bereits Konzepte, wie man mit diesen Fällen umgehen will. An eine wirkliche Läuterung glaubt bei der Polizei niemand. Schon 2009 brachte das ein Staatsschützer mir gegenüber mit unüberhörbarer Resignation auf den Punkt: „Jetzt habe ich monatelang gegen Fritz Gelowicz ermittelt. Aber egal, wie hoch seine Strafe ausfällt: Wenn er wieder frei kommt, bin ich noch nicht in Rente“.

Atilla Selek will sich nicht äußern. Seine Anwältin Saadet Dindar (Bonn) sagte mir, ihr Mandant rede grundsätzlich nicht mit den Medien. Zuletzt hatte Atilla Selek vor Gericht um den deutschen Paß gekämpft und verloren. Offenbar will er die Entscheidung aber vor dem Verwaltungsgerichtshof anfechten.

 

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Kommentare zu „Selek zu zwei Tagen Papst verurteilt“

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  1. Dexter
    schreibt am 15. August 2011 22:38 :

    Also es gibt doch in der Richtung zwei Arten der Bedrohung für den katholischen Diktator des Gottesstaates inmitten Roms:
    Auf der einen Seite eine (wahrscheinlich riesige!1!!) unbekannte Anzahl unbekannter islamische Terroristen(helfer) – und auf der anderen Seite die paar gerichtsbekannten Terrorschurken.

    Ich könnte mir wirklich vorstellen, dass die Polizei unglaublich viel mehr Stress mit der ersten, unbekannten Gruppe hat, als mit der kleinen, wohlbekannten zweiten. Oder etwa nicht?

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