. .

Planloser BND

12.07.2011, von

Schwere Sicherheitspanne – oder einfach „ganz normaler“ Behörden-Schlendrian? Heute äußerte sich der Bundesnachrichtendienst in Berlin über einige angeblich verschwundene Pläne seines Neubaus in der Berliner Chauseestrasse. BND-Präsident Ernst Uhrlau gab sich dabei gelassen.

Es gebe keinen Grund zur „Überplanung“, keinen Grund zu Umbauten und erst recht keine Terminverschiebung, sagte Uhrlau. Auch wenn der „Focus“ über eine „Sicherheitszentrale“ geschrieben habe, von der Pläne abhanden gekommen sein sollen, so könne es sich bei dem beschriebenen Gebäude nur um die „Technik und Sicherheitszentrale“ handeln, die im Nordbereich des Areals geplant werde.

Dort sollen insbesondere ein Parkhaus und die Energiezentrale des Gebäudes entstehen. Dies sei „sicher nicht das Herzstück“ des neuen Gebäudes, so Uhrlau. Auch spreche das Magazin selbst davon, dass die offenbar abhanden gekommenen Pläne die niedrigste Geheimhaltungsstufe „Nur für den Dienstgebrauch“ tragen würden. Dies gelte für jedes Dokument des Neubaus. Für wirklich sensible Bereich würden aber weit strengere Anforderungen („geheim“ oder „strend geheim“) gelten.

Generell seien alle Firmen und ihre Mitarbeiter überprüft worden, bevor sie Pläne erhalten hätten. Besonders am Anfang der Bauphase galt dabei die Devise: Pläne zurückgeben oder vernichten. Aufgrund der Masse und der geringen Aussagekraft der ersten Pläne sei das nicht kontrolliert worden. So habe auf den Plänen noch nicht einmal gestanden, wofür die betreffenden Räume überhaupt konkret gedacht seien. Teilweise stehe das bis heute nicht fest.

Trotzdem schmerze der Verdacht den Bundesnachrichtendienst, so Uhrlau. Jedoch nicht, weil wirkliche Risiken zu befürchten seien, sondern weil die Berichterstattung den BND in ein schlechtes Licht rücke. Dabei habe der Nachrichtendienst mit der Weitergabe der Pläne gar nichts zu tun gehabt. Denn der Neubau wird von der Bundesanstalt für Bauwesen und Raumordnung geplant – und später an den BND vermietet. Allerdings habe der BND dabei die Sicherheitsanforderungen definiert.

Einen Image-Schaden bei anderen Nachrichtendiensten, den so genannten „Freunden“ befürchtet man in Berlin übrigens nicht. Aber die Mitarbeiter seien verunsichert, ob der „ersehnte Umzug“ sich verzögere. Das werde er aber nicht, sagte Uhrlau.

Das Bundeskanzlermt als zuständige Aufsichtsbehörde über den BND hat nun eine Untersuchung angeordnet. Die entsprechende Kommission bildet der Bundesnachrichtendienst selbst.

So blieb in der Sache der verschwundenen Pläne am Ende des Pressegespräches Ratlosigkeit: Alles gar nicht schlimm – oder nur ein bisschen?

BND-Präsident Uhrlau gab sich pragmatisch: Das ganze Bauvorhaben mit einer Fläche von 35 Fußballfeldern und einem Bauvolumen von ca. 900 Mio Euro sei ein Massengeschäft. Allein für die Planverfielfältigung habe man eine eigene Firma engagiert.

Was unausgesprochen bedeutet: Damit musste man rechnen. Wer kann das besser beurteilen, als ein Nachrichtendienst?

LinkARENAStudiVZShare

Kommentare zu „Planloser BND“

Es ist ein Kommentar vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

  1. Der mit den Vögeln tanzt
    schreibt am 19. Juli 2011 17:23 :

    Da gebe ich Recht: Planloser BND! (mit Ausrufezeichen)

Schreibe einen Kommentar

*

Letzte Tweets von @terrorismus

Fehler: Du bist nicht mit Twitter verbunden.

Archive

 

Der SWR ist Mitglied der ARD.

Impressum | SWR ©2020