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„Rätselflug“ wohl gelöst

28.02.2011, von

Bordbuch der Unglücksmaschine

Bordbuch der Unglücksmaschine

Ich komme auf das „Hubschrauber-Problem“ im Buback-Prozess zurück und habe zwiespältige Nachrichten: Der Pilot des Rettungshubschraubers scheint ermittelt, steht aber nicht mehr für eine Befragung zur Verfügung. Ein Kollege von damals hält die Landung am Tatort fliegerisch für möglich – aber auch für sehr unwahrscheinlich.


Wer flog am 07. April 1977 den Karlsruher Rettungshubschrauber „Baden-Württemberg 6“ (heute: Christoph 43)? Wie findet man einen Hubschrauber-Piloten nach fast 34 Jahren? Die Bundesanwaltschaft fand diese Frage bislang nicht sonderlich interessant – aber mich reizte die Herausforderung, die Widersprüche rund um die Landung eines Hubschraubers am Tatort aufzuklären.

Erster Ansprechpartner war natürlich die Deutsche Rettungsflugwacht (DRF). Sie verfügt aber nach eigenen Angaben nicht mehr über Unterlagen aus dieser Zeit. Rein rechnerisch müsse der Pilot zudem schon pensioniert sein, erklärte die DRF, denn er soll nach der Erinnerung von Notarzt Dr. Renner vor seiner Zeit in Karlsruhe bereits acht Jahre bei der Bundeswehr gedient haben.

Mitarbeiter des Karlsruher Rettungsdienstes erinnern sich an insgesamt fünf Piloten aus den ersten Jahren der Karlsruher Station, die 1975 gegründet wurde. Drei von Ihnen haben sich nach meinen Recherchen 1977 tage- oder wochenweise abgewechselt. Und zwar die Piloten Trompeter, S. und K.
„Pilot der ersten Stunde“ war Herr Trompeter. Doch er starb im Oktober 1977 bei einem tragischen Unglück: Als „Baden-Württemberg 6“ von einem Intensivtransport an die Uniklinik Heidelberg zurück nach Karlsruhe kam (ein schwerstkranker Patient wurde aus einem anderen Krankenhaus nach Heidelberg verlegt), herrschte in Karlsruhe schlechtes Wetter und kaum Sicht. Pilot Trompeter versuchte trotzdem, auf dem Landeplatz in Karlsruhe-Forchheim zu landen. Offenbar hatte er dies schon aufgegeben und wollte zu einem anderen Landeplatz fliegen, als der Hubschrauber mit dem Heckrotor eine Leitung am Rande des Flugplatzes berührte: Die Maschine vom Typ Bell 206 stürzte ab und brannte aus. Pilot Trompeter, der Notarzt und ein Rettungssanitäter starben.
Ein furchtbares Unglück, das auch ein Ermittlungsverfahren der Karlsruher Polizei nach sich zog. Wie am Gründonnerstag nach der Ermordung von Siegfried Buback und seinen Begleitern wurde auch in diesem Fall die „Soko C“ der Karlsruher Polizei aktiviert – und teilweise übernahmen die gleichen Beamten die Arbeit. So die Ermittler P. und B.

Sie konnten in dem ausgebrannten Hubschrauber das Bordbuch von D-HDRF sicherstellen. Es wurde zwar angesengt, war aber zumindest teilweise noch lesbar. Schon kurz darauf übernahm – wie damals üblich – die Deutsche Flugsicherung die Ermittlungen in dem Fall. Sie bekam alle Unterlagen von der Karlsruher Polizei. Auch das Bordbuch. Deswegen liegt es nun im Bundesarchiv in Koblenz. Dort habe ich es eingesehen.

Es war ein spannender und zugleich trauriger Moment: In einer Klarsichthülle verpackt liegt das angebrannte Heft in der Akte. Kleine Aschestücke blieben in er Hülle zurück, als ich das Bordbuch aus der Verpackung nahm. Doch meine Hoffnung, die Aufzeichnungen würden bis in den April 1977 zurück reichen, wurden enttäuscht. Pro Flugtag wurde eine Doppelseite benutzt, deswegen beginnen die Aufzeichnungen in diesem Heft im September 1977 und enden mit dem Unglückstag. Aber es ergeben sich aus ihr die Namen der Piloten.

Nur einer von ihnen ist heute noch zu sprechen. Pilot K. lebt in der Nähe von Karlsruhe und flog bis zu seiner Pensionierung für die Deutsche Luftrettung. Doch leider war er nicht der Pilot vom Gründonnerstag 1977. Trotzdem war das Gespräch mit ihm sehr interessant: Natürlich kenne er den Tatort. Und theoretisch habe man damals auf dieser Kreuzung auch landen können. „Wir sind damals überall im Stadtgebiet runter“, erinnert er sich. Die Hubschrauber waren kleiner, die innerstädtische Notarzt-Versorgung schlechter. Heute fliege man kaum noch Innenstadt-Einsätze. Trotzdem glaube er aus drei Gründen nicht, dass sein Kollege dort gelandet sei: Erstens halte man bei der Landung immer ausreichend Abstand zu Opfern und Passanten. Zweitens lande man immer so, dass man nicht anderen Rettungskräften die Zu- und Abfahrt versperre. Aber vor allem war Herr K. überzeugt, dass die Polizei keinesfalls Patronenhülsen auf der Kreuzung gefunden hätte, wenn dort ein Hubschrauber gelandet wäre: „Das würde alles weggeblasen“. Deswegen glaube er, dass der Kollege in der unmittelbaren Nähe an einer geeigneten Stelle gelandet sei.

Wo das sein könnte, darauf hat die Bundesanwaltschaft wohl einen Hinweis. Schon im Januar war ein Zeuge geladen, der an diesem Tag jedoch aus Zeitgründen nicht mehr gehört werden konnte, und im Frühjahr nochmals geladen werden soll. Er erinnert unter anderem die Landung des Hubschraubers an der nächsten Kreuzung der (damaligen) Linkenheimer Landstrasse stadtauswärts. Das würde auch erklären, warum von den Zeugen aus dem dem Tatort benachbarten Bürogebäude („VBL“) niemand den Hubschrauber bemerkt hat (er landete im „toten Winkel“ der Gebäude) und warum er nicht auf den Tatortfotos zu sehen ist.
Es bleibt nun noch der Widerspruch, dass der Zeuge W. eine Polizeilackierung des Hubschraubers erinnert. Hat hier die Zeit seine Erinnerung getrübt?

Für mich scheint die Hubschrauber-Frage jedenfalls geklärt.

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Kommentare zu „„Rätselflug“ wohl gelöst“

Es sind 7 Kommentare vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

  1. Michael W.
    schreibt am 2. März 2011 09:39 :

    „Rätselflug wohl gelöst“ – keinesfalls Herr Schmidt !

    Ich lege Ihnen ja auch nicht in den Mund, von einem
    Krankenwagen zu sprechen, wenn Sie einen Polizeiwagen
    gesehen hätten! Ich hoffe doch Sie sind in der Lage so
    etwas zu unterscheiden – ich auf alle Fälle – damals und
    heute! Noch dazu wenn ich das so genau betrachte!

    Warum haben Sie nicht bei der Polizei ermittelt, die ja
    bekanntlich Polizei-Hubschrauber betreibt?

    Sie haben nicht „fertig“ ermittelt und erst recht nicht
    „gelöst“, aber bieten das dann in diesem Artikel hier
    als Lösung an, das ist komplette Verzerrung der Tatsachen,
    bezahlt Sie jemand dafür, oder ist das eine Verirrung?

    Michael W.

  2. rallykinski
    schreibt am 2. März 2011 18:21 :

    Kommentar zu Michael W.
    „Aufstieg und Fall des Herrn von und zu Schmidt“
    Da hören Sie es Herr Schmidt!
    Ziehen Sie die Konsequenzen! Treten Sie von allen Ämtern zurück!
    Was haben Sie überhaupt bisher geleistet?
    Halbherzige Ermittlungen in einem der spektakulärsten Mordprozesse. Soll man mit solchen Pflichten etwa auch noch Justiz, Polizei, Kriminalbeamte belasten?
    Wenn Sie glauben, mit Ihren rhetorischen Fähigkeiten, 99%zufriedenen Lesern und Ihrem guten Aussehen,
    wären Ihre Fehler und manche Entschuldigung vergessen, so täuschen Sie sich.
    PS: Hoffe der Kommentar von Herrn Michael W.ist ebenfalls ironisch gemeint…
    R.

  3. Elisabeth B.
    schreibt am 2. März 2011 22:12 :

    Die Behauptung, dass „von den Zeugen aus dem dem Tatort benachbarten Bürogebäude („VBL“) niemand den Hubschrauber bemerkt hat“, ist falsch. Mehrere Zeugen sagten aus, dass sie einen Hubschrauber vom VBL-Gebäude aus bemerkt hätten: So berichtete der Zeuge G.B. am 18. 11. 2010, er habe mehrere Hubschrauber gehört, einer habe gegenüber dem VBL-Gebäude auf der Linkenheimer Landstraße gestanden, der Zeuge R.F. bekundete, ein Hubschrauber sei ziemlich nah an der Kreuzung gelandet, und am 23. 11. 2010 sagte die Zeugin M.W. aus, sie habe einen Hubschrauber gehört.
    Außerdem bezeugte der Polizist F.R. am 11. 11. 2010, dass er kurz nach dem Anschlag am Tatort einen Hubschrauber wahrgenommen habe. Der Zeuge M.W. hat die Landung eines Polizeihubschraubers unmittelbar beim Tatort kurz nach dem Anschlag genau beobachtet.
    Beim Rettungshubschrauber ist sich der Notarzt Dr. Renner sicher, dass ihn dieser auf der Kreuzung unmittelbar beim Tatort abgesetzt hat.
    Wie können Sie diese Zeugenaussagen in Ihrer „Recherche“ unberücksichtigt lassen und wie können Sie einem Augenzeugen, der sehr nahe am Tatort war, und einem Notarzt, der doch wohl weiß, wo er gelandet ist, mangelndes Erinnerungsvermögen unterstellen und annehmen, beide würden sich irren (Ihr Blog vom 20.12.2010)?
    Warum wollen Sie etwas besser wissen als all die Augenzeugen, die ihre Beobachtungen unabhängig voneinander gemacht haben?

  4. Josef
    schreibt am 4. März 2011 09:08 :

    Liebe Frau Elisabeth B. – Herr Schmidt hat doch ganz offensichtlich für sich bereits ein Vor-Urteil gefällt. Anders ist es kaum zu erklären, dass dieser Jornalist noch nicht ein einziges Mal versucht hat, die Indizien zusammenzustellen, die für eine aktive Tatbeteiligung Beckers sprechen. Die Bemerkung von Silke Maier-Witt, die „Alten“ sollten doch endlich sprechen, spricht Bände…

  5. rallykinski
    schreibt am 4. März 2011 15:36 :

    „Ehrenrettung“
    Sehr geehrte Kommentatoren, zur Ehrenrettung des Journalisten und Autors dieser Seiten folgendes:
    Welcher Medienvertreter macht sich heutzutage noch über einen längeren Zeitraum die Mühe, direkt vor Ort, von einem vergleichbaren ‚Ereignis‘ zu berichten? Herr Schmidt ist offenbar häufiger bei den Verhandlungen, als Herr Buback selbst.
    Darüberhinaus sollte es Aufgabe und Pflicht von Ermittlungsbehörden und Justiz sein, Details und Beweise zu suchen und Tatumstände ans Tageslicht zu bringen!
    Ist es nicht unfaßbar, daß Herr Schmidt diesbezüglich erfolgreicher und hartnäckiger nachgeforscht hat, als jene?
    Das seiner Meinung nach, Frau Becker nicht die Täterin ist, habe ich aus keiner Zeile bisher herauslesen können. Aber sehr wohl erhebliche Kritik am Prozeßverlauf, am Wert mancher Zeugenaussagen (Ich bitte Sie! Über 30 Jahre! Versuchen Sie sich mal an Details von vor 30 Tagen zu erinnnern..) und an der Be-/Verhinderung der Wahrheitsfindung…
    Übrigens: Hat nicht Herr Michael Buback als Einziger bisher sein „Vorurteil“ gefällt? Frau Becker als Täterin?!
    Ich bin jedenfalls gespannt auf weitere Einblicke in ein Stück deutscher Zeitgeschichte…

  6. Wilhelm Brause
    schreibt am 5. März 2011 09:03 :

    @rallykinski :

    Herr Schmidt ist offenbar häufiger bei den Verhandlungen, als Herr Buback selbst.

    Das mag daran liegen, daß Herr Buback seit mehr als drei Jahrzehnten tot ist.

  7. J.
    schreibt am 5. März 2011 19:50 :

    Wilhelm Brause…
    Kanns sein, dass Du einen neuen „Browser“ nötig hast?
    Von MICHAEL Buback war die Schreibe, nicht von seinem ermordeten Vater.

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