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BKA: Todes-Fatwa für Gaddafi

28.02.2011, von

Wie sehen Islamisten die arabischen Revolutionen?

Die deutschen Bundessicherheitsbehörden analysieren gerade mit Hochdruck die Lage in der arabischen Welt: Was bedeuten die Umstürze in Tunesien und Ägypten für Deutschland? Wie geht es in Libyen weiter? Und welche Konsequenzen ziehen Al Qaida und andere Terroristen aus den Machtwechseln? Sie sind offenbar genauso ratlos, wie die deutsche Politik – lautet das Fazit einer vertraulichen Analyse der Sicherheitsbehörden.


Auf sechs Seiten haben das Bundeskriminalamt und das Bundesamt für Verfassungsschutz ihre Erkenntnisse zusammengetragen. So haben die Internet-Ermittler des „Gemeinsamen Internetzentrums“ (GIZ) beispielsweise die Botschaft eines namhaften Al-Qaida-Predigers entdeckt, der schon früher über den Mediendienst von Al Qaida („as-Sahab“) verbreitet wurde. Scheich Atiyatullah beurteilt die Massenbewegungen in Tunesien und Ägypten als „nicht perfekt“. Sie habe aber zur Beseitigung eines Teils des Übels geführt. Nun komme es darauf an, dass Prediger und islamische Organisationen die Bewegung in die richtige – d.h. „islamische“ – Richtung lenkten. Positiv sei, dass durch die Umstürze der „Götze der Stabilität“ in der Region beseitigt worden sei. Dies habe in der Vergangenheit nur dem Westen gedient – und die Grenzen Israels gesichert.

Außerdem zitiert das Papier eine Fatwa (Religionsgutachten), in dem ein „einflussreicher“ Islamgelehrter zur Tötung von Gaddafi aufgerufen habe. Diese Fatwa sei im arabischen Fernsehsender Al-Jazeera ausgestrahlt worden.

Bedenklich ist eine Beobachtung, die das GIZ in Internetforen gemacht hat: Dort wird behauptet, in Libyen habe sich bereits eine Untergruppe von Al Qaida gegründet: Sie heiße „Islamic Emirate of Barqa“ und habe sich nach dem Sturm eines Militärdepots am 20. Februar 2011 bewaffnet. Ihr Anführer al-Hasadi soll ein ehemaliger Insasse des US-Lagers Guantanamo sein.

Interessant finden die deutschen Sicherheitsbehörden laut dieser Analyse, dass insbesondere „Al Qaida im islamischen Maghreb“ (AQM) nicht versucht, die Umsturzbewegungen für sich zu vereinnahmen und sich im Gegenteil gegenüber anderen islamischen Strömungen ungewohnt liberal gibt.
Man könnte auf die Idee kommen, die Islamisten beobachten die Vorgänge genauso überrascht und ratlos, wie die europäische Politik. Und wollen sich genauso ihre Optionen offen halten.

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