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Ist die Nebenklage entbehrlich?

24.02.2011, von

Über die heute begonnene Vernehmung von Silke Maier-Witt berichte ich morgen im Zusammenhang nach Ende der Befragung. Soviel vorweg: Es gab heute weitere Einblicke in das trostlose Leben der zweiten RAF-Generation, aber keine bahnbrechenden Erkenntnisse. Berichtet werden will aber eine chemische Ausnahmesituation am heutigen Verhandlungstag. Man wird im Buback-Prozess fortan nicht mehr behaupten können, ein Chemiker sei entbehrlich!

Ausgerechnet heute fehlte Michael Buback, der nicht nur Nebenkläger, sondern auch Chemie-Professor ist.  So kam es zu einem mutigen Selbstversuch seines Anwalts:

Angefangen hatte alles mit dem Wunsch der Verteidigung, Silke Maier-Witt einen Ausweis aus dem Erddepot „Schwimmbad“ zu zeigen. Nach einer Pause brachte der Vorsitzende Richter Hermann Wieland das Asservat mit in die Verhandlung und zeigte es mit spitzen Fingern vor: Der Pass steckte in einer Plastikhülle und trug einen signalfarbenen Warnhinweis: NINHYDRIN! GESUNDHEITSGEFÄHRDEND!

Es kam zu folgendem Dialog:

Vors. Richter Wieland: „Also… Ich öffne es nicht!“

Rechtsanwalt Dr. Endres: „Ich mach es!

Wieland: „Sie meinen, die Nebenklage ist entbehrlich…?“

Endres: „Die Nebenklage vertritt einen Chemiker!“

Wieland: „Dann gehen Sie aber weit weg, bevor Sie es öffnen.“

Gelächter im Raum. Rechtsanwalt Dr. Endres berief sich noch auf eine – offenbar von ihm geerbte – Doppelqualifikation seines Vaters. Dieser sei Chemiker und Mediziner. Deswegen sei er zur Öffnung bereit. Der Vorsitzende fragte noch einen im Raum anwesenden Polizisten, ob er sich mit Ninhydrin auskenne – und als auch dieser für eine Öffnung der Tüte war, durfte Dr. Endres zur Tat schreiten.

Weitere Erkenntnisse aus der Öffnung: Keine. Den Beteiligten passierte nichts und Silke Maier-Witt konnte mit dem Ausweis nichts anfangen.

Anzumerken wäre noch, dass an anderen Oberlandesgerichten für solche Fälle Plastikhandschuhe bereitgehalten werden. Denn mit Ninhydrin macht die Polizei Fingerspuren sichtbar. Es ist eigentlich ein Standard-Mittel der Kriminaltechnik. Und das kommt in der ersten Instanz schon mal vor…

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