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Boock ja, Becker nein

25.01.2011, von

Es war ein kurzer Tag in Stuttgart-Stammheim: Mit halbstündiger Verspätung begann die Verhandlung des 6. Strafsenats gegen Verena Becker – um schon drei Minuten später wieder beendet zu werden. Denn die Angeklagte war nicht erschienen. Aufgrund einer Erkrankung habe sie am Morgen nicht aus Berlin abfliegen können, erklärte der Vorsitzende Richter Hermann Wieland. Boock und seinen Zeugenbeistand schickte er deshalb wieder aus dem Saal – und nach Hause.

Er selbst habe die Gelegenheit gehabt, mit der Angeklagten zu sprechen, erklärte der Vorsitzende noch. Sie habe ihm „nachvollziehbar“ die Erkrankung geschildert und sie ihm als „Fiebrige Bronchitis mit Herzbeutelbeschwerden“ geschildert, zu der auf dem Weg zum Flughafen eine „allergische Reaktion“ gekommen sei. Ein Attest werde nachgereicht, versicherten ihre Verteidiger sogleich. Boocks Zeugenbeistand stand währenddessen abseits am Zeugen-Ausgang und lauschte interessiert.

Das war’s für den Tag. Die diesmal durchaus zahlreichen Besucher (mit regionalen Schwerpunkten Frankfurt und Bodenseekreis) zogen verdrossen wieder von dannen. Der Vorsitzende nutzte noch die Gelegenheit, eine offenbar von ihm privat eingeladene Besuchergruppe (so ein Teilnehmer) durch die Stammheimer Räumlichkeiten zu führen und hatte dazu sogar seine OLG-Richter-Krawatte (weiß mit dezentem schwarzen Aufdruck „6. Strafsenat“) gegen ein aktuelles Streifen-Modell in Magenta ausgetauscht.

Mit anderen Kollegen beriet ich, welche weiteren Nebensächlichkeiten man denn eventuell noch berichten könne und ob Frau Beckers allergischer Reaktion möglicherweise ein bislang unbekannter „Morbus Boock“ sein könnte. Zu einer eindeutigen Antwort kamen wir nicht. Die Reise war wohl schlicht umsonst.

Morgen soll sich entscheiden, ob am Donnerstag weiter verhandelt wird. Den (unerwarteten) freien Vormittag konnte ich dann noch für interessante Gespräche nutzen, zu denen man ja sonst keine Zeit findet…

😉

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Kommentare zu „Boock ja, Becker nein“

Es sind 2 Kommentare vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

  1. Wolf Hafner
    schreibt am 1. Februar 2011 14:39 :

    Sehr geehrter Herr Schmidt,

    wissen Sie, ob Frau Becker gesundet ist und der Ersatztermin am Donnerstag stattfindet? Ich habe bei der von Ihnen beschriebenen letzten Sitzung gerüchteweise gehört, dass doch in Stammheim weiter verhandelt werde und nicht im normalen Gerichtsgebäude. Ist das so?

    Mit freundlichen Grüßen

    W. Hafner

    Antwort: Das Gericht geht derzeit davon aus, dass am Donnerstag verhandelt wird. Die Sitzung findet noch in Stuttgart-Stammheim statt. Der „Umzug“ in die Innenstadt ist für den 17. Februar geplant. Ab dem 10. Februar wird übrigens jeweils Donnerstag und ggf. Freitag verhandelt – nicht mehr Dienstag und Donnerstag.

  2. Andrea
    schreibt am 3. März 2011 17:07 :

    Mit viel Ironie und Charme geschriebene Berichterstattung.
    „Morbus Boock“ könnte als Klassiker in die Geschichtsbücher eingehen. Sie sollten sich das Patent darauf sichern.
    Jedenfalls habe ich mich köstlich darüber amüsiert.
    Vielen Dank und bitte weiter so!
    MfG,

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