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Fritz sagte: „Ich bin dann mal weg!“

15.12.2010, von

Überraschung heute in Berlin: Im Prozess gegen Filiz Gelowicz und Alican T. hat die Frau von Fritz Gelowicz eingeräumt, dass die Anklage der Bundesanwaltschaft zutrifft: Ja, sie habe Videos ins Internet hochgeladen, ja, sie habe Geld an einen Kontaktmann in der Türkei überwiesen, gab die 29jährige vor dem Berliner Kammergericht zu.

Schon zuvor hatte sie sich erstaunlich offen gezeigt und aus ihrem Leben berichtet. Mein Kollege Simon Dreidoppel saß im Gericht, als sie aus ihrem Leben erzählte und berichtete, wie sie ihren späteren Mann Fritz kennenlernte:

Sie habe im Herbst 2006 vor einer Ulmer Moschee gestanden und auf ihre Mutter gewartet, erzählte sie dem Gericht. Eine Freundin sei bei ihr gestanden und sie hätten sich über ihre Jugend unterhalten. Filiz erzählte, sie habe früher Breakdance gemacht. Die Freundin wollte es nicht glauben, deshalb habe sie ein paar „Moves“ gemacht – in ihrer langen schwarzen Burka.

Das muss ziemlich komisch ausgesehen haben, denn Fritz Gelowicz fing hinter ihr an, schallend zu lachen. Bis dahin habe sie ihn gar nicht gekannt – das Kennenlernen sei also fast etwas peinlich gewesen. Von seinem Bruder habe Fritz erfahren, dass sie ledig sei und keine Kinder habe. Und schon im Januar 2007 hätten die beiden geheiratet – auch wenn ihre Familie strikt gegen die Ehe gewesen sei.

Nach der Hochzeit zogen sie in Ulm in eine gemeinsame Wohnung. Immer wieder habe es Streit mit ihrer Familie gegeben, ihr Onkel habe sie sogar geschlagen. Doch die Ehe zu Fritz sei eine Ehe aus Liebe, sagte sie auf eine entsprechende Nachfrage der Bundesanwaltschaft. Das gelte auch heute noch.

Fritz gehe es aber derzeit gar nicht gut. In der Haft habe er stark abgenommen, habe starke Augenbringe und eine Zwangsneurose entwickelt, erzählte sie. Fritz sei so krank, dass ein für Anfang 2011 geplanter EDV-Kurs im Gefängnis verschoeben werden musste. Die Eheleute konnten sich trotz der jeweiligen Haft kurz sehen – auch wenn immer Polizisten dabei waren. 

Filiz erzählte, sie habe Fritz auch schon während der Untersuchungshaft in Düsseldorf  besucht. Doch sie habe lange Zeit keine Ahnung gehabt, welche (Anschlags-) Pläne er verfolgt habe. Auch Nachfrage der Bundesanwaltschaft, ob ihr es denn nicht auch schon vor seiner Verhaftung komisch vorgekommen sei, dass er häufig nachts nicht zu Hause war, winkte sie ab: Sie habe ihm vertraut und nichts vermutet. Wenn er gegangen sei habe er immer nur gesagt: „Ich bin dann mal weg!“

Der Prozess wird in der kommenden Woche fortgesetzt. Filiz Gelowicz will dann aussagen, warum sie das Geld überwiesen und die Videos hochgeladen hat. Ihr Anwalt Mutlu Günal (Bonn) ist zuversichtlich, dass sie damit die Bundesanwaltschaft überzeugen kann. Bundesanwalt Volker Brinkmann – der schon im Sauerlandverfahren der Ankläger war – sagte, wenn Frau Gelowicz weiter so umfassend aussage, könne eine Strafe oberhalb zwei Jahren Haft dabei herauskommen. Bislang war über sechs Jahre Haft spekuliert worden.

Filiz war kurz vor Ende des Sauerlandverfahrens in Ulm festgenommen worden, weil sie zwischen November 2009 und Februar 2010 die IJU und andere Terrorgruppen unterstützt haben soll.

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