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Terrorist auf saarländisch

08.11.2010, von

Am Freitagvormittag war die Aufregung groß: Im Saarland sei ein Al Qaida-Mitglied festgenommen worden, noch dazu kurz vor Fertigstellung einer Bombe, mutmaßten einige Kollegen anderer Medien. Die Realität war weit profaner. Kevin S. darf man wohl getrost als „Möchtegern-Terroristen“ bezeichnen. Überhaupt verdient der ganze Fall das Attribut „saarländisch“ – sagen meine Kollegen vom Saarländischen Rundfunk: Der 18jährige Kevin war offenbar zutiefst davon überzeugt, er müsse seinem Glaubensbruder Daniel Schneider etwas Gutes tun – ihn nämlich aus dem Gefängnis in Saarbrücken zu befreien. Dieses Ziel wollte er mit allen seinen Möglichkeiten erreichen. Doch seine Möglichkeiten waren wohl nicht allzu weitgehend. So hatte Kevin keine Ahnung davon, dass er schon seit Monaten unter der Beobachtung der Behörden stand, weil er durch seine radikal-islamischen Ansichten aufgefallen war. Dann machte er sich wenig Mühe, den Drehort seiner Videos (Kartoffelkeller) zu verschleiern. Schließlich fing er auch noch an, Leute aus seinem Umfeld zu bedrohen – die ihn offenbar auf den Videos erkannt hatten (was zugleich auch etwas über Auswahl seines Umfelds aussagt). Irgendwann (genauer: am Donnerstag) war es dann Polizei und Staatsanwaltschaft zu bunt. Sie beendeten seine kurze Terroristenkarriere durch den Zugriff einer Spezialeinheit auf offener Straße. Von Al Qaida kann also keine Rede sein. Kevin war nicht mehr (aber auch nicht weniger) als wild entschlossen. Großer Terrorismus sieht anders aus.

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