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Atilla Selek will in Haft bleiben

30.06.2010, von

Er hat die geringste Haftstrafe der vier Angeklagten: Atilla Selek bekam im Düsseldorfer „Sauerland-Verfahren“ 5 Jahre Haft. Durch die Anrechung seiner Untersuchungshaft und der Haftzeit in der Türkei wäre nach den üblichen Regeln im Sommer eine Aussetzung der Restzeit zur Bewährung möglich gewesen – und Atilla hätte im August frei kommen können. Doch völlig überraschend hat er nun seinen bereits gestellten Antrag zurückgenommen, heißt es in baden-württembergischen Justizkreisen. Und das Oberlandesgericht Düsseldorf bestätigt den Vorgang: Ja, Selek habe den Antrag zurück genommen, das entsprechende Prüfungsverfahren sei damit erledigt, sagte eine Sprecherin des Gerichts.

Aber warum? Das sagt das Oberlandesgericht nicht. Und Seleks Anwalt Axel Nagler erklärt, er sei „nicht befugt“ dazu Erklärungen abzugeben.

Hintergrund könnte der parallel laufende ausländerrechtliche Streit um Seleks Staatsbürgerschaft sein. Das Ausländeramt der Stadt Ulm will Selek die deutsche Staatsbürgerschaft wieder entziehen, das baden-württembergische Innenministerium beobachtet den Vorgang höchst wohlwollend. Wunschvorstellung in Stuttgart: Sobald Selek auf freien Fuß kommt, soll er in die Türkei abgeschoben werden. Genau das könnte nun auch das Kalkül auf der Selek-Seite sein: je eher er aus der Haft kommt, desto größer könnte der Druck der Behörden beim Entzug der Staatsbürgerschaft werden. Also könnte der anwaltliche Rat gelautet haben: Lieber in Haft bleiben und in Ruhe die Sache mit dem Pass ausfechten.

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