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Yilmaz, die Würde des Gerichts und weitere Erkenntnisse

16.12.2009, von

Heute Morgen kam in Düsseldorf noch einmal der Vorfall vom 09. Dezember zur Sprache: Adem Yilmaz hatte einen Wachtmeister als „Fettsack“ bezeichnet. Zwischen allen Beteiligten war folgender Ablauf unstrittig: Der Wachtmeister Schwarzer hatte Adem Yilmaz aufgefordert, die Mitangeklagten nicht per Handschlag zu verabschieden. Daraufhin habe Yilmaz unwirsch reagiert und gesagt: „Mach hier nicht den Dicken, Fettsack, komm her, wenn Du was willst“. Doch bevor über eine mögliche Ordnungsstrafe entschieden wurde, entschuldigte sich Rechtsanwalt Karl Engels namens seines Mandanten beim Senat für diese Situation. Auf Nachfrage des Vorsitzenden sagte der Rechtsanwalt, die Entschuldigung umfasse auch den Wachtmeister. Übrigens sprach der Vorsitzende den Rechtsanwalt heute konsequent mit „Engel“ an – vielleicht eine kleine Geste für dessen gestrige Bemerkung zur Würde des Gerichts: Es gebe ja auch die Auffassung, wenn jemand die Würde des Gerichts verletzten könne, dann nur das Gericht selbst.

Der Vorsitzende wollte daraufhin von Adem Yilmaz wissen, ob er sich tatsächlich entschuldige. Yilmaz bestätigte dies – zwar umständlich, aber immerhin. Der Beamte nahm die Entschuldigung an.

Bundesanwalt Brinkmann betonte, aufgrund der Entschuldigung könne man nun ausnahmsweise von einer Ordnungsstrafe absehen, aber nur dieses eine Mal. Der Senat sah dies ebenso – und so endete diese kleine Episode recht unspektakulär.

Prof. Rotraud Wielandt (Bamberg) setzte ihr Gutachten fort – es wird wohl noch den ganzen Tag in Anspruch nehmen. Auch bei Daniel Schneider seien eindeutige jihadistische Texte gefunden worden. Aufschlussreich fand die Gutachterin die Tatsache, dass Schneider zweimal „offiziell“ zum Islam konvertierte. Zunächst in Deutschland, wo er sich den religiösen Namen „Jihad“ (wörtl. „Große Anstregung“, aber sinngemäß eben auch „Heiliger Krieg“) gab. Später nochmals in Kairo, dort wählte er an der Al-Azhar Universität aber den Namen Abdullah („Gottes Diener“). „Für einen Konvertiten wäre der Name „Jihad“ selbst an einer konservativen Religionsschule auffällig und würde Fragen nach sich ziehen, betonte Wielandt.

Schneiders Anwalt Bernd Rosenkranz (Hamburg) offenbarte zu Beginn der Verhandlung übrigens noch interessante Einblicke in die Verteidigung. Bestens gelaunt erzählte er von seinem gestrigen Abend. Musik habe er gemacht und Kaltgetränke habe es gegeben – offenbar ging es um eine Besprechung mit den Verteidigern von Atilla Selek, wie ich kühn spekuliere. Denn Rosenkranz sagte: „Pausch spielt Bass, Manfred Gitarre und Axel die Drums“.

 In Gutachtersprache würde man wohl sagen:

„Aufgrund des räumlichen und zeitlichen Zusammenhangs sowie der verwendeten Namen besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass von den Rechtsanwälten Manfred Gnjidic, Axel Nagler und Johannes Pausch die Rede war.“

Immerhin war gestern auch der 50. Verhandlungstag

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Kommentare zu „Yilmaz, die Würde des Gerichts und weitere Erkenntnisse“

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  1. Matthias Breitfeld
    schreibt am 3. Februar 2010 22:54 :

    Lächerlich, ein schwerstkrimineller unausgereifter Pseudomuslimattentäter wird Rotzfresch, der Anwalt, nicht er, entschudligt sich und er dann gezwungenermaßen widerwillig auch. Gericht und Beleidigter akzeptieren das. Nur frei heraus. Statt solchen „Ohnedies-Verbechern“ so zu begegnen, wie sie es brauchen, akzeptieren wir deren Schlängeleien. Wären deren Anschläge gelungen, was dann ? Und die hatten es erbarmungslos vor. Warum, in Gottes Namen, sind deutsche Gerichte, welche Leute zu hohen Geldtrafen verurteilen, weil sie öffentlich gepinkelt habe, nicht dazu in der Lage, rotzfreschen und überheblichen Schwerverbrechern alle ihre überheblichen Entlgeisungen in Rechnung zu stellen ?

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