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Senat in der Zwickmühle

29.09.2009, von

Auch am zweiten Tag konnte die Vernehmung von Yannick N. in Koblenz nicht beendet werden. Zwar war der Senat mit seinen Fragenkatalog am Nachmittag fast am Ende – ähnlich dürfte es aber auch mit den Nerven der Richterinnen ausgesehen haben – wenn ich die Blicke richtig deutete. Grund waren Widersprüche in den Angaben des Zeugen. Widersprüche in zweierlei Hinsicht:

Einerseits widersprach sich Yannick innerhalb der zweitägigen Vernehmung, andererseits wichen seine Angaben teilweise von den Vernehmungen im Verfahren Aleem N und von früheren Vernehmungen bei der Polizei und beim Ermittlungsrichter II des Bundesgerichtshofs ab.

Die Abweichungen betrafen allerdings nicht seine Lebensgeschichte insgesamt, sondern kleine, aber erhebliche Details. Und genau hier liegt das Problem.

Seine Jugend, sein Verhältnis zum Stiefvater, Umzüge in Germersheim, Reisen nach Pakistan, sein langer Aufenthalt in Pakistan, die Ausbildung in einem Terrorcamp, das Leben zu Hause in Germersheim, all dies berichtete Yannick ausführlich, wenn auch langsam und manchmal stockend (wenn es um unangenehme Erinnerungen ging).

Die Probleme begannen da, wo es für die Strafbarkeit der Angeklagten richtig wesentlich wird: Wer von beiden hat wann welche Gegenstände zu Aleem N oder sogar nach Pakistan gebracht? Hier war Yannick unpräzise – nachdem er in früheren Vernehmungen detaillierter schildern konnte, wer seiner Erinnerung nach wann was gebracht hatte.

Dafür kann es viele Gründe geben. Aufregung damals oder heute, der zeitliche Abstand zu den früheren Vernehmungen, Unsicherheit durch häufiges Nachdenken über den Fall, aber theoretisch natürlich auch der Wunsch im vergangenen Verfahren, seinen Stiefvater möglichst schlecht aussehen zu lassen. Nicht besser wurde es dadurch, dass eigene Verfehlungen von Yannick, die Sermet I. in seiner Einlassung behauptet hatte (Geld gestohlen, ohne Führerschein Auto gefahren), von Yannick bestätigt wurde (Auto) oder er die Aussage verweigerte (Geld gestohlen).

Insofern kam der Senat an diesen Widersprüchen nicht vorbei, sah sich „in der Zwickmühle“ (so die Vorsitzende Richterin) und beschloss drei Dinge: Die Vernehmung heute zunächst zu unterbrechen. In drei Wochen den damaligen (und heutigen) Staatsanwalt, Oberstaatsanwalt beim BGH Bodo Vogler, als Zeuge früherer Aussagen zu hören. Um danach schließlich Yannick erneut zu hören.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Für mich steht die grundsätzliche Glaubwürdigkeit von Yannick nicht in Frage. Die Frage ist eher, ob er sich bei allen Punkten so präzise erinnert, wie er sich gerne erinnern würde. Oder mal erinnert hat. Doch genau darauf könnte es – besonders für Sermet I. – ankommen.

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