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Die Rückkehr des Stiefsohns

28.09.2009, von

Heute wird es in Koblenz mal wieder spannend: Im Verfahren gegen Ömer Ö. und Sermet I. sagt ein wichtiger Zeuge der Anklage aus: Yannick Gideon Ubeid N.

Er ist der Stiefsohn von Aleem N., hat dessen Nachnamen angenommen aber sonst wohl nicht mehr viel mit ihm gemeinsam.

Schon im Verfahren gegen Aleem N. war Yannick der Hauptbelastungszeuge. Detailliert hat der junge Soldat geschildert, an welche Jihad-Aktivitäten er sich im elterlichen Hause erinnern kann. Maßgeblich hat das zum Schuldspruch gegen seinen Stiefvater geführt und wichtig waren diese Angaben auch für die Anklage gegen Ömer Ö. und Sermet I. Denn wie sie seinen Stiefvater unterstützt und mit ihm über den Jihad gesprochen haben, darüber hat er ausführlich ausgesagt.

Aufgrund seiner Aussage ist er übrigens im Zeugenschutzprogramm des Landeskriminalamtes und wird morgen von einem unbekannten Ort ins Gericht gebracht. Dabei wirkt Yannick durchaus wie jemand, der gut auf sich selbst aufpassen kann. Aber die Polizei will kein Risiko eingehen.

Trotzdem frage ich mich, ob Yannick morgen aussagen wird. Denn im Gegensatz zu seinen Vernehmungen im Nasir-Prozess hat sich etwas entscheidendes verändert: Inzwischen läuft gegen ihn selbst ein Ermittlungsverfahren des Generalbundesanwalts. Und zwar wegen seiner Aussagen im Prozess gegen seinen Stiefvater. Offen und ehrlich hatte er (nach eigenem Bekunden) die Zustände in der Germersheimer Wohnung geschildert. Und dabei auch Anhaltspunkte geiefert, dass er sich selbst durch die Unterstützung von AlQaida strafbar gemacht haben könnte.

Ein Aussageverweigerungsrecht steht ihm also insoweit auf jeden Fall zu. Aber wird er es nutzen? Oder er legt wieder alle Karten auf den Tisch (wie es Richter Breidling in Düsseldorf formulieren würde) und hofft, dass ihm das in eigener Sache zugute kommt. Absehbar ist aber schon jetzt, dass die Angeklagten Ömer und Sermet ihn beschuldigen werden, der eigentliche Agitator gewesen zu sein. Wie gesagt: Es könnte spannend werden.

Vergangene Woche wurde im Koblenzer Prozess übrigens auch Aleem N. als Zeuge gehört. Ich war an diesem Tag aber in Düsseldorf. Wie mir eine Kollegin erzählte, war Aleem N. nach seiner Verurteilung im Frühjahr nicht gerade bester Laune und wollte dutzende Punkte vortragen, warum sein Sohn gelogen hat. Seine Anwälte, die ihm hätten erklären können, dass es vielleicht der falsche Ort und der falsche Zeitpunkt für so etwas wie Rechtsmittel gewesen ist, wollte er offenbar nicht dabei haben. Wie gesagt, ich war nicht dabei. Aber es würde exakt in mein Bild von Aleem N. passen.

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