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Schnappi Yilmaz

27.05.2009, von

Turbulente Stunden am OLG! Während der Mittagspause kam es im Nachbarsaal des Hochsicherheitstrakts im Kappellweg zu Ausschreitungen im Zusschauerraum, bei denen es auch Verletzungen gab. Feuerwehr und Polizei rückten an, es gab Festnahmen von Zuschauern. Und auch im Sauerlandverfahren ging es nach der Mittagspause hoch her. Die Angeklagten Yilmaz und Selek wurden in Handschellen vorgeführt. Wachtmeister hatten zuvor berichtet, Adem Yilmaz habe einen Wachtmeister bedroht: „Den schnappen wir uns noch!“ soll Yilmaz zu Selek gesagt haben, als vor der Mittagspause der Wachtmeister B. über seine Eindrücke vom Grinsen des Zeugen T. berichtete.

Bundesanwalt Brinkmann hat Ordnungshaft für die Drohung von Yilmaz gefordert und eine weitere Fesselung des Angeklagten für diesen und den nächsten Verhandlungstag. Zuvor hatten drei Wachtmeister aus Wuppertal und Bochum berichtet, dass sie den Satz „deutlich“ gehört hätten und dass er vermutlich an Selek gerichtet war. Dieser sprach jedoch im gleichen Moment mit seinem Verteidiger Gnjidic. Der Vorsitzende hielt Selek deshalb für unbeteiligt und liess ihm die Handfesseln wieder abnehmen.

Nach einer weiteren Pause erklärte Ricarda Lang für ihren Mandanten, er habe den Satz spontan und im Scherz gesagt und habe nicht vor, Wachtmeister anzugreifen. Mit einem lauten „JA“ signalisierte Yilmaz, dass er sich dieser Aussage anschliesse. Damit konnte der Verhandlungstag und die Vernehmung von KHK I zu Ende gebracht werden. 

Übrigens war Adem Yilmaz heute Morgen überraschend aufgestanden, als ein Dolmetscher vereidigt wurde. Darin eine Verhaltensbesserung zu sehen scheint jedoch verfrüht zu sein.

Nach Ende des Tages standen vor dem Gericht übrigens zwei Männer und zwei Frauen, die im Faruk-Prozess waren und nach eigenen Angaben an den Ausschreitungen beteiligt waren. Eine Frau hatte Blut im Gesicht, ein Mann eine blutige Strieme auf der Brust. Offiziell gab es zu dem Vorfall am Abend noch keine Stellungnahme des OLG. Wachtmeister und Polizisten erzählten aber auf dem Flur, die „Störer“ hätten sie angegriffen, nachdem sie versucht hatten, sie festzunehmen. Auch auf Seiten der Justiz habe es Verletzte gegeben.

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Kommentare zu „Schnappi Yilmaz“

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  1. Detlev Beutner
    schreibt am 6. Juni 2009 20:17 :

    Hallo,

    schön, etwas in gelockerter Form über das Verfahren hier zu lesen. Was mich jedoch ernsthaft stutzen lässt ist, das der „Aufstehzwang“, den das Gericht hier ausübt, so kommentarlos hingenommen wird, im Gegenteil, schon der starke Eindruck entsteht, als wäre es Herr Yilmaz, der sich hier problematisch verhalte.

    Das per Haft erzwungene Aufstehen ist nun durch nichts als durch eine extrem narzistische Haltung eines Richters zu erklären. Hat ein Angeklagter keinen „Respekt“ oder keine „Achtung“ vor dem ihn verurteilenden Gericht (und: warum sollte ein Angeklagter das haben müssen?), so wird sich daran auch durch Ordnungsstrafen nichts ändern (eher: im Gegenteil).

    Es sollte auch dem konservativsten Demokraten klar sein, dass Gerichte aufgrund der ihnen verliehenen Macht einen Grenzfall in der Konstellation Bürger-Staat darstellen. Wer nicht mehr den preußischen Obrigkeitsstaat im Hinterkopf hat, sollte es ausschließlich lächerlich finden, wenn ernsthaft (angebliche) „gute Manieren“ per Haft erzwungen werden sollen.

    Dass ein Herr Breidling hier Jahrhzehnte zurückliegt, ist die eine, traurige Seite. Dass die Öffentlichkeit – via Presse – ihn dafür nicht dauerhaft schallend auslacht, die andere. Nicht weniger traurige.

    Antwort: Ob Gerichte wirklich einen „Grenzfall“ im Verhältnis Bürger-Staat darstellen, möchte ich bestreiten. Sie sind doch unstreitig ein notwendiger und legitimierter Teil unserer Gesellschaft. Gleichwohl habe ich mit Interesse über den anders gelagerten Fall gelesen, den Sie in Ihrem Blog thematisieren.

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