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Aladin und das Wunderlächeln

27.05.2009, von

Die eigentliche Vernehmung von Alaeddine T. ging heute Vormittag schnell. Er äußerte sich zu seinen Personalien und verweigerte dann die Aussage. Er wollte auch nicht sagen, ob und wen er auf der Anklagebank erkannte. Für die Verteidigung war diese Verhalten OK, Bundesanwalt Volker Brinkmann nahm die Situation dagegen zum Anlaß, T. ins Gewissen zu reden. Und zwar sehr nachdrücklich: Er wisse doch, dass der Generalbundesanwalt ein Verfahren gegen ihn eingeleitet habe. „Ob ich sie anklagen soll, weiß ich nicht so recht“, sagte Brinkmann wörtlich. „Das Verfahren steht gerade auf der Kippe. Wurscht kann Ihnen das doch nicht sein“. Und deshalb, mahnte Brinkmann mit drohender Stimme, solle er doch noch einmal überlegen, wie es nun wirke, wenn er nichts sagen wolle – auch wenn es sein gutes Recht sei, zu schweigen. Eine unverholene Drohung. Doch mit wieviel Substanz? T. schwieg, wurde entlassen und kam kurz darauf in den Zuschauerraum. Dabei fiel mir und anderen Beobachtern auf, dass er – wie schon vom Zeugenstuhl aus – mit sonderbarer Miene auf die Angeklagten blickte. War es Freude? Begeisterung? Das Gefühl der eigenen Wichtigkeit? Tauschten sie Blicke oder grüßten sich? Für seine 17 Jahre war Ts Verhalten jedenfalls ganz schön selbstbewußt.

Es folgte KHK I. vom BKA, der T. mehrfach als Zeuge vernommen hatte. Nimmt man nur seine Erinnerungen und die Vernehmungsprotokolle, wirkt die Drohung von Bundesanwalt Brinkmann mager. T erzählte, er habe im Sommer 2007 in Istanbul einen großen dunkelhaarigen Mann kennengelernt, der aus Mannheim stammte und ihn gebeten habe, eine Tüte mit einer Jeanshose und einem Paar braunen Schuhen mit nach Braunschweig zu nehmen. Dort würde die Tüte abgeholt – und als Dankeschön habe es 100 Euro für die Fahrkarte nach Hause gegeben. Keine Geschichte, die sonderlich überzeugend klingt – aber eben auch keine, die nachweisbare Fehler enthält.

Schon in seinen polizeilichen Vernehmungen hatte T. zudem Fritz Gelowicz auf Fotos als den Mann erkannt, der die Tüte bei ihm abgeholt habe. Ist das das Verhalten eines Mitwissers?

Doch wer hat ihm die Tüte gegeben – falls die Geschichte so stimmt? Damals sprach T. von einem „Abu Obeida“ – angeblich könnte es sich um den Türken Mevlüt Karr handeln, dem ja wiederum Kontakte zu CIA und türkischem Geheimdienst nachgesagt werden. Und der immerhin auch mal im Raum Mannheim gelebt hat. Aber nichts davon ist bislang auch nur ansatzweise beweisbar.

Fakt war aber das Verhalten von T im Gerichtssaal. Er  schien den Prozess richtig zu genießen, schaute in der schon beschriebenen Weise immer wieder zur Anklagebank, lächelte aber auch mich an, als ich ihm einen Blick zuwarf – und das, obwohl gerade in der Vernehmung des KHK I. von der verschimmelten Wohnung der Familie T. die Rede war. Erstaunlich.

In einer kurzen Pause, versuchte ich, mit ihm ins Gespräch zu  kommen. Ob ihn das Verfahren beeindrucke? „Ja, schon, klar“. Sagte er. Ob es ihm denn etwas ausmache, was über seine Familie geredet wurde? Darauf bekam ich aber schon keine Antwort mehr. Er blieb in der Pause im Gerichtsgebäude, tigerte über die Flure und suchte immer den größtmöglichen Abstand zu uns Journalisten.

Nach der Kurz-Pause ging es genauso weiter. T. grinste, auch wenn KHK I. über die desolate Familie T erzählte. Doch dann unterbrach der Vorsitzende Richter Ottmar Breidling die Vernehmung Is und befragte einen Dolmetscher und zwei Wachtmeister zum Verhalten von Alaeddine T. Wem genau er denn zugegrinst hätte? Gelowicz und Selek, kam als Antwort. Das wurde T. unheimlich. Er sprang auf und verließ fluchtartig Saal und Gericht. 

Rechtsanwalt Pausch merkte noch an, auch er sei von T angelächelt worden. Wahrscheinlich, weil sie sich schon einmal in Karlsruhe beim BGH gesehen hätten. „Wollen Sie damit sagen, er lächelt Leute an, die er kennt?“, fragte Richter Breidling. Eine interessante Frage, die unbeantwortet im Raum stehen blieb.

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Kommentare zu „Aladin und das Wunderlächeln“

Es ist ein Kommentar vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

  1. Paula Markus
    schreibt am 30. Mai 2009 22:51 :

    Ich stieß gerade auf eine interessante Ergänzung zu Ihrem Bericht im „Sondervotum“ aus Berlin: http://akj-berlin.blogspot.com/2009/05/lehrstuck-am-olg-dusseldorf.html

    Da steht zu den Drohungen von Bundesanwalt Brinkmann: „Die Strafprozessordnung verbietet es, dem Zeugen einen gesetzlich nicht vorgesehenen Vorteil zu versprechen (§ 68 Abs. 3, § 136a Abs. 1 Satz 3).“

    Höchst zweifelhaftes Gebaren von dem Herrn Brinkmann!

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