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Der Vermieter als Tellerwäscher

26.05.2009, von

Der 11. Verhandlungstag beginnt mit dem Vermieterehepaar S., Manfred S., ein pensionierter Beamter aus der Verwaltung der Universität Dortmund, berichtete über Anbahnung und Abschluß des Mietvertrages. Die Zeit an der Universität ist offenbar nicht spurlos an ihm vorüber gegangen. Er doziert gerne und hat einen Hang zur Gründlichkeit. So bekam man den Eindruck, wie ordentlich es im Hause S. zugeht: Die Vermietung wird mit Jahresabo im Internet und zusätzlich in einer großen regionale Zeitung ausgeschrieben. Für die Mieter gibt es eine adrette Mappe mit organisatorischen und touristischen Tipps (vielleicht hat Gelowicz hier einen Fehler gemacht: touristisch, nicht terroristisch!). Aber das Ehepaar denkt auch an die eigene Sicherheit: Die Nachbarn werden stets telefonisch über neue Mieter informiert – und rufen auch gleich bei S. an, falls sich weitere Personen dem Haus nähern. Richter Breidling kommentierte bittersüß: „Aha, die soziale Kontrolle funktioniert!“. Und wirkt ein Mietinteressent „komisch“ wird auch schon mal das Auto fotografiert – „rein zur Sicherheit“ (leider knipste Sohn S. bei Gelowicz das falsche Auto).

 

Komisch wirkte Gelowicz auf S. schon ein wenig, räumte der Zeuge ein. Nicht wegen der tief in die Augen gezogenen Mütze oder den unklaren Angaben über Wohnort (ziehe bald um) und Handynummer (geht erst in zwei Tagen). S. bemerkte scharfsinnig das merkwürdige Verhalten von Gelowicz: „Wieso kommt jemand aus dem schönen Süddeutschland oder dem Schwarzwald gleich für vier Wochen ins Sauerland?“. So eine lange Mietzeit hatte Familie S selten – verdächtig! 1120 Euro Miete in bar (überwiegend in 50ern): verdächtig! Doch das Geld war echt und der Terrorist auch.

 

Nach der Stürmung am 04. September durch die GSG9 besichtigte S. schließlich mit dem BKA die „Einsatzspuren“: Beschädigte Türen, zerbrochene Jalousien, beschädigte Möbel. Und Bohrlöcher, die zu spachteln waren. Hier wurde S. sehr einsilbig. Darüber wolle er ungern reden…

 

Mehrfach kam große Heiterkeit im Saal auf. So als Richter Breidling von Frau S. hören wolle, welche Taten sie Gelowicz zuetraut habe, als das BKA erstmals nach ihm fragte. „Ich dachte, es wären Pädophilie“, sagte sie. Und Breidling fragte: „Wegen des belgischen Passes?“. Nett war auch der Moment, als S. erzählte, wie er nach Erstürmung und Durchsuchung des Hauses mit seiner Frau Anfang September wieder Ordnung machte. Und zwar nach der S.-Art gründlich: Beim Durchsehen des Geschirrs im Eßzimmerschrank fanden sie nämlich einen Blanko-Paß mit dem Bild von Fritz Gelowicz zwischen den Tellern. Ups, werden sich die  BKA-Ermittler gesagt haben. Doch ich sehe das positiv: Das BKA hat im Haus gearbeitet – und nicht gegessen.       

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