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Fehlzündungen

20.05.2009, von

Da sich die Familie Yilmaz verspätete, ging der 10. Verhandlungstag mit dem Sachverständigen I. vom BKA los. Der Wissenschaftliche Direktor berichtete über seine Untersuchungen der Zünder. Er hatte

20 gewerbliche Sprengzünder aus tschechoslovakischer Produktion

2 gewerbliche Zünder aus mutmasslich bulgarischer Produktion

5 Übungszünder für Minen

zu untersuchen. Dabei kam er zu dem Ergebnis, dass die Übungszünder überhaupt nicht funktionieren (Übungszünder eben). Von den zwei bulgarischen Zündern funktionierte mindestens einer (der andere wurde heute gezeigt) und von den 20 tschechoslovakischen Zündern waren 18 unbrauchbar (wohl naß). 2 funktionierten.

Heute hat das Gericht entschieden: Gutachter Dr. I. soll auch noch den zweiten bulgarischen Zünder testen. Schon am Freitag will der Gutachter dies machen – und dann kommende Woche noch einmal berichten. Offenbar wollen Gericht und Bundesanwaltschaft dem Argument der Verteidigung vorbeugen, Anschläge hätten ja mangels funktionsfähiger Zünder gar nicht klappen können. Reparabel seien die 18 unbrauchbaren Zünder aber auf keinen Fall gewesen, da war der Gutachter eindeutig: Wenn sie wirklich feucht waren, hätte man sie nicht selbst wieder trocken bekommen.  

Schließlich wurden noch die Eltern Yilmaz als Zeugen gehört. Wie bei allen Familienangehörigen zuvor, beriefen sie sich auf ihr Aussageverweigerungsrecht als Angehörige, § 52 StPO. Der Vater, ein 51 Jahre alter Zimmermann, zeigte dabei keine erkennbare Gefühlsregung. Die Mutter, 56 Jahre alt und Hausfrau, winkte ihrem Sohn am Anfang und Ende zu – Adem Yilmaz winkte jeweils etwas verschämt zurück.  

Verweisen möchte ich noch kurz auf den Kommentar von Rechtsanwalt Wesemann zum vorherigen Beitrag. Sehr interessant! Und natürlich hat er aus seiner Sicht recht, dass es keinen „richtigen“ oder „falschen“ Angeklagten zu identifizieren gibt. Doch die Ermittlungen des BKA, inklusive GPS-Ortung des Mietwagens von Gelowicz und begleitende Observationsteams sowie die Telefonüberwachung der Bestellanrufe legen höchst nahe, dass es eben Gelowicz war, der bei B. Wasserstoffperoxid shoppen war…

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Kommentare zu „Fehlzündungen“

Es sind 2 Kommentare vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

  1. Gerd
    schreibt am 17. Juni 2009 08:57 :

    Nicht das ich irgendwie an die Beschlüsse von Partei & Regierung würde zu zweifeln wagen.
    Aber nicht erst nachdem ich „Wasserbomben-Klamauk in Medebach“ auf medienanalyse-international.de gelesen habe, stellt sich die Frage wie 20 Zünder in ein oder zwei Schuhabsätze passen.
    Fotos und Maßzeichnungen der Zünder würden die Schmiere von den Reifen schlitzten CIA geführten Terroristen etwas abrunden.

    Antwort: Fotos der aufgeschnittenen Schuhe wurden im Gerichtssaal gezeigt. Die Zünder ebenso. Das kann schon passen…

  2. Gerd
    schreibt am 18. Juni 2009 11:26 :

    Fotos der aufgeschnittenen Schuhe, glaube ich in den Medien gesehen zu haben. Die Formel „Das kann schon passen…“ reicht mir nicht ganz, da möchte ich schon sehen ob der Geheimdienst richtig inszeniert hat mit seinen Fake Zünder geliefert vom „Der CIA-Mann aus Ludwigshafen“

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