. .

Wie Atilla Selek Deutscher wurde

07.05.2009, von

Atilla Selek

Noch ein Nachtrag zum gestrigen Verhandlungstag: Aus der Verlesung der Ausländerakte von Atilla Selek ergab sich eine bemerkenswerte Leichtigkeit, mit der die baden-württembergischen Behörden den Einbürgerungsantrag des heute 24jährigen behandelte:

Seit Anfang  2004 lief der Antrag von Selek auf Erteilung der deutschen Staatsbürgerschaft.

  • Im März 04 fragt die Ausländerbehörde der Stadt Ulm beim baden-württembergische Landeskriminalamt und beim Landesamt für Verfassungsschutz in Stuttgart an, wie sie zur Einbürgerung von Selek stehen. LKA und Verfassungsschutz melden im Juni: Keine Bedenken!
  • Am 14. Februar 2005 wird Selek von der Polizei in Ulm festgenommen und kommt in Untersuchungshaft. Vorwurf: Gefährliche Körperverletzung und Bildung einer kriminellen Vereinigung.
  • Am 15. Februar bestätigt das Amtsgericht München die U-Haft. Selek wird in die JVA München verlegt und bleibt dort bis zum 25. Februar in Haft.
  • Am 17. Februar bekommt die Stadt Ulm eine Haftmitteilung aus Bayern.
  • Am 7. April wird Atilla Selek trotz des noch laufenden Verfahrens und trotz der Haftmitteilung eingebürgert. Er unterschreibt, dass er die freiheitlich-demokratische Grundordnung anerkennt und erhält die Einbürgerungsurkunde. Seine türkische Staatsangehörigkeit hatte er vorher zurückgegeben.

Offenbar merkte aber schon damals die Stadt Ulm, dass der ganze Vorgang nicht optimal lief. Der Sachbearbeiter P., Abteilung BD3, notierte in einem Vermerk, man habe unmittelbar vor der Einbürgerung nicht noch einmal bei LKA und Verfassungsschutz angefragt. Selbst wenn dies geschehen sei, sei zu diesem Zeitpunkt wegen „unterschiedlicher Dateien“ möglicherweise nichts von den Vorwürfen gegen Selek bekannt gewesen. Eine weitere Anfrage unmittelbar vor der Einbürgerung sei rechtlich zudem nicht geboten gewesen. Außerdem habe der Sachbearbeiter beim LKA, Herr L., Selek nur als „Randfigur“ in dem Verfahren bezeichnet.

Im Sauerlandverfahren ist Selek nun alles andere, als eine Randfigur. Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens wird er Deutscher bleiben. Im Gegensatz zu Adem Yilmaz droht ihm in keinem Fall eine Abschiebung in die Türkei.

LinkARENAStudiVZShare

Schreibe einen Kommentar

*

Letzte Tweets von @terrorismus

Fehler: Du bist nicht mit Twitter verbunden.

Archive

 

Der SWR ist Mitglied der ARD.

Impressum | SWR ©2021