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Der Ermittlungsführer hat das Wort

28.04.2009, von

Nach der Mittagspause hatte der „Ermittlungsführer“ des BKA das Wort. Kriminalhauptkommissar (KHK) Ralph K. (34) begann mit einer Powerpoint-Präsentation (die im Gericht unbegreiflicher Weise im Entwurfs-Modus gezeigt wurde), einen Überblick über die Ermittlungen zu geben. Obwohl noch recht jung, oblag dem Beamten die Koordination der Ermittlungsgruppe. „Ermittlungen strukturieren und Informationen koordinieren“, so beschrieb K. seine Aufgabe. „Aufgrund meines Ranges habe ich  die Ermittlungen ab einem gewissen Punkt nicht mehr verantwortet, sondern koordiniert“, sagte K., der als KHK dem gehobenen Polizeidienst angehört. Trotzdem habe K. ein Faktenwissen, „dass ich auch gerne hätte“, sagte Bundesanwalt Brinkmann über den Zeugen. Und so präsentierte sich K auch.

Seit November 2001 beschäftige er sich beim BKA mit islamistischen Terrorismus, erzählte K. Dabei sei er nicht auf bestimmte Gruppierungen angesetzt gewesen, sondern habe die ganze Breite des Islamismus kennengelernt. Anfang 2007 sei er mit Ermittlungen über die späteren „Sauerländer“ beauftragt worden – als Vorermittlung für das später eingeleitete Ermittlungsverfahren des Generalbundesanwalts. Nach der Eröffnung des Verfahrens im März 2007 sei er dann Ermittlungsführer gewesen – bis zur Festnahme der Gruppe am 04. September 2007.

Dabei habe sich die Ermittlung in vier Phasen geteilt:

1. Phase: Kommunikation der Beschuldigten mitbekommen und verstehen. Dauer ca. 2,5 Monate

2. Phase: Beschaffung der Tatmittel durch die Gruppe ermitteln und überwachen. Ab Anfang Juli 07 bis 21. Juli 07 

3. Phase: Aufenthalt der Gruppe im Ferienhaus in Medenbach-Oberschledorn

4. Phase: Zugriff und Festnahme am 04. September 07

K. konnte heute aber nur die Kommunikation umfassend darstellen. Die anderen Phasen folgen am Mittwoch.

Konspiration sei der Grundgedanke aller Kommunikation gewesen, beschrieb K. die Gruppe. Besonders raffiniert sei dabei Fritz Gelowicz gewesen, er habe für jeden Kontakt zu anderen Gruppenmitgliedern eigene, teilweise sogar mehrere Mailadressen gehabt. Adem Yilmaz dagegen habe nur zwei Mailadressen gehabt und scheint insgesamt sorgloser gewesen zu sein. Das Kommunikationsverhalten der Gruppe sei ausgeklügelt gewesen – ich werde es gelegentlich darstellen. Neben Mailadressen hätten auch zahlreiche Handynummern, DSL-Anschlüsse, Call-Shops und auch offene WLAN-Netze (von unbedarften Fremden) gehört. Selbst Telefonzellen seien ein beliebter Kommunikationsort gewesen.

Morgen geht es weiter.

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