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Frauenhäuser statt Opernhäuser

25.11.2019, von

Martin Rupps

Martin Rupps meint … (Foto: SWR)

Im Durchschnitt alle drei Tage bringt in Deutschland ein Mann seine Partnerin oder Ex-Partnerin um. Noch häufiger – durchschnittlich jeden Tag – versucht ein Mann, seine Partnerin oder Ex-Partnerin zu töten. Diese Zahlen des Bundeskriminalamts nannte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey am Montag, am „Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen“.
 
Das Ausmaß dieser Verbrechen war mir neu. Ich wusste auch nicht, dass die Bundesregierung sich verpflichtet hat, 21.000 Plätze in Frauenhäusern zu schaffen, aber bis heute nur knapp 7000 zur Verfügung stehen. Dabei gehört es zu den Kernaufgaben des Staates, Gefahren für Leib und Leben seiner Bürger abzuwenden.
 
Vergangene Woche hat der Haushaltsausschuss des Bundestags ein neues Kunstmuseum für Berlin beschlossen, 364 Millionen Euro teuer – die übliche Kostensteigerungen nicht eingerechnet. In Stuttgart diskutieren OB und Gemeinderat über eine Sanierung der Oper – Kosten: wohl eine Milliarde Euro.
 
Solche Bezüge herzustellen ist immer ein wenig unfair und schief, aber sie werfen ein Licht darauf, für was in Deutschland Geld da ist und für was nicht. Ich finde Frauenhäuser wichtiger als Opernhäuser, weil sie existentielle Probleme von Menschen lösen und nicht nur dramatisch aufführen.

Martin Rupps
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