. .

Vorbesitzer Adolf Hitler

20.11.2019, von

Martin Rupps

Martin Rupps meint … (Foto: SWR)

Ein Münchner Auktionshaus versteigert Briefe und Gegenstände führender Mitglieder des Nazi-Regimes, darunter einen schwarzen Zylinder von Adolf Hitler und eine Schmuckausgabe von „Mein Kampf“ aus Hermann Görings Besitz. Der Verband europäischer Juden kritisiert die Auktion. Niemand dürfe mit diesen blutgetränkten Gegenständen Geld verdienen, erst recht nicht in Deutschland.
 
Ich kann diese Haltung gut nachvollziehen, teile sie aber nicht. Als Historiker erscheinen mir Gegenstände, die zuvor kein deutsches Museum haben wollte, als historisch wertlos. Görings Schmuckbuch ist die kitschige Einkleidung eines zwar fatalen, aber damals millionenfach verteilten Buches. Bei Kleidungsstücken und Porzellan handelt es sich um Dinge des gelegentlichen Gebrauchs. Daran ändert auch nichts, dass sie einmal einem Verbrecher oder der Freundin eines Verbrechers gehört haben.
 
Dass sich ein Mann zuhause Hitlers Zylinder aufsetzt oder eine Frau in das Cocktailkleid der Hitler-Geliebten Eva Braun schlüpft, will ich mir lieber nicht vorstellen. Doch es handelt sich um Privatangelegenheiten. Menschen kaufen sich allerlei Merkwürdiges für irgendwelche Kitzel – dann eben auch das Cocktailkleid.
 
Wo die Nazi-Weltanschauung wiederkehrt, muss sie selbstverständlich politisch bekämpft werden. Aber lasst den Zylinder einen Zylinder sein!

Martin Rupps
Multimediale Chefredaktion

Sie sind meiner Meinung oder, noch besser, Sie sind es nicht? Schreiben Sie mir: martin.rupps@swr.de

Die Kolumne „Martin Rupps meint…“ erscheint als Teil des „SWR Aktuell Newsletter“. Der Newsletter informiert nachmittags kompakt via E-Mail über das Wichtigste des Tages und bündelt Links sowie Programmtipps zu SWR Angeboten. Sie können ihn hier kostenlos abonnieren. 

Schreibe einen Kommentar

*

Neuste Kommentare

Archiv

Kategorien

 

Der SWR ist Mitglied der ARD.

Impressum | SWR ©2020