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Vorsicht vor „besorgten Bürgern“

04.11.2019, von

Bettina Fächer

Bettina Fächer meint… (Quelle: SWR)

Wenn Nachbarn aufeinander achten, im Urlaub Blumen gießen und ein Auge auf die Wohnung der Familie nebenan haben, die gerade in Urlaub gefahren ist, dann kann das wohltuende Hilfe sein. Wenn aber selbst ernannte Gruppen aufmerksamer Bürger patrouillieren, um „Recht und Ordnung aufrecht zu erhalten“, dann mag mancher das gut finden. Und finden: Dann fühlen wir und doch alle sicherer, oder?
 
Für mich gilt: Ich möchte, dass das jemand macht, der dafür ausgebildet und dazu legitimiert ist – und verpflichtet, innerhalb unserer Rechtsordnung zu handeln. Sprich: wenn Polizisten das tun. Und ich bin kein bisschen beruhigt, wenn „besorgte Bürger“ lieber „die Sache selbst in die Hand nehmen“.
 
So genannte Bürgerwehren gibt es laut Bundesregierung inzwischen in fast allen Bundesländern. Und sie machen den Sicherheitsbehörden Sorgen, weil in ihren Reihen oft Menschen mit rechter bis rechtsextremer Gesinnung aktiv sind. Auch wenn die Regierung offenbar keine genauen Zahlen dazu hat.
 
Doch die Gefahr liegt da schon im Anspruch: Wer suggeriert, dass staatliche Institutionen wie die Polizei gar nicht mehr in der Lage seien, für unsere Sicherheit zu sorgen, spielt auf gefährliche Art mit den Ängsten der Menschen. Wer als einschüchternd auftretende, womöglich bewaffnete Gruppe Sicherheit verspricht und Furcht sät, betreibt das Geschäft von Extremisten – und hat auf den Straßen eines freiheitlich-demokratischen Landes nichts verloren.
 

Bettina Fächer
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