. .

Wohnungsbaupolitik – Globuli fürs Volk

07.10.2019, von

Martin Rupps

Martin Rupps meint … (Foto: SWR)

Zitronenfalter falten keine Zitronen. Wohnungsbaupolitiker bauen keine Wohnungen. Diese betonharte Wahrheit macht der „World Habitat Day“ der Vereinten Nationen am ersten Montag im Oktober jedes Jahr aufs Neue schmerzlich bewusst.
 
Im SWR verkündet ein Wohnungsbaupolitiker der CSU Allgemeinplätze („Ein Haus ist nicht in fünf Monaten gebaut“). Sein SPD-Kollege prahlt mit fünf Milliarden Euro Geld vom Bund und räumt zugleich ein, diese Summe vielerorts nicht ausgeben zu können: „Am Ende brauchen wir auch Grund und Boden.“
 
Wohnen kommt für viele Menschen in der Rangliste ihrer Bedürfnisse gleich nach dem Essen – Politiker in Bund, Länder und Kommunen offenbar ausgenommen. Beim Wohnen reden viele mit, von der Bundeskanzlerin bis hin zum Ortsvorsteher. Das macht Politikwechsel kompliziert. Und mit Wohnen lassen sich Milliarden verdienen. Das ist lukrativ für Baukonzerne und finanzklamme Bürgermeister.
 
Es ginge auch anders. Der Gesetzgeber könnte auf viel mehr sozialen Wohnungsbau bestehen. Er könnte viel mehr Wohngeld zahlen als bisher. Er könnte Voraussetzungen schaffen für Enteignungen. Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.
 
Die Bundesregierung hat die Mietpreisgrenze eingeführt. In Baden-Württemberg dürfen Neubauten demnächst noch enger zusammenstehen. Alles Globuli, aber den „World Habitat Day“ gibt es ja nur einmal im Jahr!

Martin Rupps
Multimediale Chefredaktion

Sie sind meiner Meinung oder, noch besser, Sie sind es nicht? Schreiben Sie mir: martin.rupps@swr.de

Die Kolumne „Martin Rupps meint…“ erscheint als Teil des „SWR Aktuell Newsletter“. Der Newsletter informiert nachmittags kompakt via E-Mail über das Wichtigste des Tages und bündelt Links sowie Programmtipps zu SWR Angeboten. Sie können ihn hier kostenlos abonnieren. 

Schreibe einen Kommentar

*

Archiv

Kategorien

 

Der SWR ist Mitglied der ARD.

Impressum | SWR ©2019