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Mein Sohn ist vom Münsterturm gestürzt

11.09.2019, von

Martin Rupps

Martin Rupps meint … (Foto: SWR)

Zwei junge Leute sind auf die Spitze des Ulmer Münsters geklettert und haben sich in 161 Metern Höhe gegenseitig gefilmt. Die Bilder stellten sie ins Internet. Erst kürzlich wurde auch der Turm des Freiburger Münsters von einem Unbekannten bestiegen.
 
Es handelt sich um Dachläufer, neudeutsch Roofer, wie ich in einem aktuellen Beitrag von „Zur Sache Baden-Württemberg“ gelernt habe. Er zeigt, wie junge Leute in großer Höhe balancieren und sogar einen Salto rückwärts machen. Ohne Sicherung und Fangnetz. Allein beim Zuschauen wurde mir schwindelig.
 
Das Phänomen der Roofer ist jung, ihr Motiv dagegen uralt: Sie wollen eine Mutprobe bestehen und dafür von vielen Menschen bewundert werden. Der Kitzel eines Tandemsprungs aus dem Flugzeug oder am Bungee Seil war gestern. Blöd nur, dass ein Roofer-Unfall den sicheren Tod bedeutet. Schon beim Klettern können Steine aus dem Mauerwerk brechen und Menschen auf dem Münsterplatz erschlagen.
 
Roofer-Videos in sozialen Netzwerken gehören gelöscht, finde ich. Die Gefahr, Nachahmer zu animieren, wiegt für mich schwerer als ihr Unterhaltungswert. Was für eine Tragödie, wenn eine Mutter sagen muss: Mein Sohn ist vom Turm des Ulmer Münsters gestürzt.

Martin Rupps
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