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Der Tag, der das Land veränderte

04.09.2019, von

Martin Rupps

Martin Rupps meint … (Foto: SWR)

Heute vor vier Jahren entschied Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die Grenzen für Flüchtlinge zu öffnen, die sich in einem Treck von Ungarn aus nach Österreich und Deutschland aufgemacht hatten. An diesem Tag sind es wenige tausend Menschen überwiegend aus Syrien, in dem seit Jahren ein Bürgerkrieg tobt. Doch die Kunde von der offenen deutschen Grenze spricht sich rasch herum. Hunderttausende werden in den kommenden Monaten Aufnahme in Deutschland finden.
 
Es handelt sich um ein tragisches Entscheidungsdilemma, das in der Geschichte eines Landes zum Glück nicht oft vorkommt: Die Bundeskanzlerin musste eine Entweder-oder-Entscheidung treffen im Bewusstsein, wie immer ihr Votum ausfällt, kann sie das Problem nicht lösen, nur ein paar Aspekte davon. Die anderen würden ihr früher oder später auf die Füße fallen.
 
Auch vier Jahren später ist kein sicheres Urteil darüber möglich, ob die Grenzöffnung ein notwendiger Akt der Humanität war oder die falsche, weil nationale Antwort auf ein internationales Problem. Wahrscheinlich hängt das noch immer und auch in Zukunft vom Standpunkt des Betrachters ab, den eigenen ethischen Grundlagen und politischen Überzeugungen.
 
Was ich der Bundeskanzlerin aber ankreide: sie hat über ihre Entscheidungsnot von damals nie gesprochen. Nie über Angst und Verzweiflung, die damit einhergehen kann. Unsere politische Kultur erleichtert es offenbar Spitzenpolitikern nicht zu bekennen, dass auch sie nur Menschen sind.

Martin Rupps
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