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Ferdinand Piëch: Maler und Tapezierer

30.08.2019, von

Martin Rupps

Martin Rupps meint … (Foto: SWR)

Nur wenige Menschen dekorieren unseren Alltag so wie der Maler, der unser Wohnzimmer tapeziert. Der frühere, vor einigen Tagen verstorbene VW-Chef Ferdinand Piëch gehörte dazu. Er schickte stylische Autos der Marke Audi auf die Straße, wir begegnen ihnen heute an jeder Ecke.

Es wäre auch ohne sie gegangen. Audi war ursprünglich die biedere Automarke des mittleren Bürgertums: Finanzbeamte, Oberstudienräte, evangelische Pfarrer. Die Innenausstattung in braun oder grün. Doch das reichte Ferdinand Piëch nicht. Seit er einen windschnittigen Audi 100 entwickeln und bauen ließ, gehören Modelle dieser Marke für mich zu den schönsten Autos überhaupt.

Als Ingenieur und Manager hat Ferdinand Piëch sprichwörtlich Wüstenlandschaften in Grünflächen verwandelt. VW verdankt ihm heute, was es ist. Seine Nachrufer erinnerten diese Woche lieber an die – wieder sprichwörtlichen – vielen Quadratmeter tropischen Regenwalds, die er im Umgang mit Konkurrenten niederbrannte. Nachrufe sind immer unfair und sind es auch wieder nicht. Von dem Mann bleibt viel Gutes, und doch erinnern sich wenige gern an ihn. Eine späte Rache an einem Menschen, der so genial wie brutal war. Oder umgekehrt.

Mein Kollege Walter Filz hat Ferdinand Piëch in einem Hörspiel portraitiert, das ich Ihnen ans Herz legen möchte. Es handelt von einem Mann, der einen Weltkonzern führte und dabei Anlass gab zu Reflexionen über Gut und Böse. Ein großes Stück Radiokunst über einen Großen, dessen Autos noch lange unseren Alltag dekorieren werden.

Martin Rupps
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