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Die Erotik des Fußballs

16.08.2019, von

Martin Rupps

Martin Rupps meint … (Foto: SWR)

Jetzt kicken sie wieder. Am Freitagabend beginnt die Fußball-Bundesliga-Saison 2019/20. Mein Kollege auf dem Stockwerk, als Westfale Schalke 04-Fan, spürt schon erhöhten Puls. „Ich glaube jedes Mal daran, dass Schalke Meister wird, so lange das rechnerisch möglich ist.“ Er sagt das mit einem tonlosen Ernst, als sei ihm gerade das Handy in die Spüle gefallen.
 
Die Bundesliga findet vordergründig auf dem Rasen statt, aber tatsächlich im Kopf. Ein Spiel dauert 90 Minuten, aber die Zeit, da es in den Köpfen der Fans vorausgedacht und nachgestellt wird, kann niemand ermessen. Nirgendwo sonst fiebern wir so sehr mit wie beim Sport. Am meisten beim Fußball, wo alle mitgucken können, weil „das Runde“ auf dem Spielfeld nicht nur ein Puck oder ein Golfball ist.
 
Mit heiligem Ernst wird mein Kollege am Samstagabend seine drei Daumen drücken, dass Schalke gegen Mönchengladbach gewinnt. Die Gladbacher mag er, „aber Dortmund geht gar nicht“. So schreibt es die heilige Weltordnung des Fußballs vor, als ewiges Gesetz. Gegenseitige herzliche Abneigung – die Erotik des Fußballs.
 
Selbst wenn Schalke am Samstag verliert – selbstverständlich eine rein theoretische Möglichkeit -, kann die Mannschaft noch Meister werden. Ein paar Spieltage lang. Nirgendwo stirbt die Hoffnung so spät wie im Fußball. Schalke war zuletzt in der Mitte des letzten Jahrhunderts im letzten Jahrtausend Deutscher Meister, aber diesmal klappt es bestimmt!

Martin Rupps
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