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Woodstock – ein modernes Märchen

15.08.2019, von

Martin Rupps

Martin Rupps meint … (Foto: SWR)

Am 15. August 1969, also vor genau 50 Jahren, begann Woodstock, das auf alle Zeit wichtigste Rockfestival der Welt. SWR1 und SWR2 erinnern eindrucksvoll an drei Tage, die eine ganze Generation prägen sollten. Woodstock steht für einen Lebensstil, einen Musikgeschmack und für Friedensliebe schlechthin. Nie zuvor kamen so viele Menschen – die Schätzungen reichen von 400.000 bis 500.000 – so friedlich zusammen, um nichts als eine Party zu feiern.
 
Soweit die gängigen Superlative.
 
Diese Verklärung von Woodstock hat in 50 Jahren das tatsächliche Ereignis aus dem Bewusstsein verdrängt. Das Festival war organisatorisch eine Katastrophe. Tausende Fans, die teure Tickets gekauft hatten, drangen nie bis zum Festival-Gelände vor. Das Essen ging aus. Es gab zu wenig Toiletten. Rettungskräfte fehlten. Stürme und Gewitter verwüsteten die Bühne. Das Gelände versank im Schlamm. Ein Wunder, dass niemand an der Hitze, an Drogen oder einem Blitzschlag gestorben ist.
 
Auch ökonomisch war Woodstock ein Reinfall. Die Millionenerbschaft, die einer der Organisatoren in das Festival gesteckt hatte, war futsch. Erst elf Jahre später hatte er seine Schulden getilgt.
 
Der späteren Bedeutung des Festivals als Symbol einer Zeit und einer Generation konnten diese Wahrheiten nichts anhaben. Die Erinnerung macht „Woodstock“ zu einer Legende. Zum modernen Märchen.

Martin Rupps
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