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Noch immer eine Mauer

13.08.2019, von

Martin Rupps

Martin Rupps meint … (Foto: SWR)

Der 13. August markiert einen Schicksalstag der deutschen Geschichte, den Beginn des Mauerbaus in Berlin am 13. August 1961. Das ist jetzt 58 Jahre her, doch als Sinnbild für die Spaltung, die bis heute durch Deutschland geht, hoch aktuell.
 
Politisch gespalten ist Deutschland zwischen den alten und neuen Ländern. Während im Westen Union und Grüne um die Dominanz ringen, bildet der Osten eine Hochburg der AfD. Bei den anstehenden Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen macht sich die Partei Hoffnung, die meisten Stimmen zu erringen. In der Konsequenz werden sich dort wohl Vielparteien-Koalitionen bilden.
 
Weshalb erreicht die AfD mit plumpen Parolen und Schüren von Feindbildern so viele Wähler jenseits der Elbe? Das hat, glaube ich, noch immer – und für lange Zeit – mit der Teilung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg zu tun. Und mit der Berliner Mauer, die diese Teilung ganz wörtlich zementiert hat.
 
Viele Ostdeutsche hat das Leben im Ulbricht- und Honecker-Staat traumatisiert. Ein Trauma, das in den Folgegenerationen fortwirkt. Hinzu kommt die Art und Weise der deutschen Vereinigung, die de facto eine Übernahme der neuen Länder war, mit dem anschließenden Zusammenbruch ihrer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturen.
 
Woraus ich folgere: Ein Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen ist erklärbar, weil weitgehend der jüngeren Geschichte geschuldet. Zugleich ist er kein Grund zur Sorge um das politische System und noch weniger ein Grund zur Hysterie.
 

Martin Rupps
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