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„Es kommen härtere Tage“

09.08.2019, von

Martin Rupps

Martin Rupps meint … (Foto: SWR)

In zehn deutschen Bundesländern, darunter Rheinland-Pfalz, gehen die Sommerferien zu Ende. Viele Erstklässler haben sich seit Wochen auf den neuen Lebensabschnitt vorbereitet. Ältere Schüler wechseln in die nächsthöhere Klassenstufe oder wiederholen die letzte.
 
Ich habe die letzten Tage der Sommerferien immer als eigenartige Zeit empfunden und ihre Stimmung als einzigartig im Jahr. Ich hatte noch schulfrei wie schon in den Wochen davor, konnte ausschlafen und den Tag verbummeln. Zugleich wusste ich, der Ernst des Lebens kam mit jedem Tag näher. Die freie Zeit war nur gestundet. „Die auf Widerruf gestundete Zeit wird sichtbar am Horizont“, lauten bekannte Gedichtzeilen von Ingeborg Bachmann.
 
Ich empfand Wehmut darüber, dass die schönste Zeit des Jahres zu Ende ging, so wie der Sommer allmählich seinen Abschied nimmt mit kühleren Morgen und früherer Dunkelheit. Mir war mulmig vor dem Neuen, Unbekannten, aber ich freute mich auch auf neue Mitschüler und Lehrer.
 
Bereits nach zwei, drei Schulwochen waren die „großen Ferien“, wie wir sie nannten, eine gefühlte Ewigkeit her. Der Trott hatte mich, hatte uns wieder. Unbewusst hatten wir den Rat von Ingeborg Bachmann befolgt: „Sieh dich nicht um. Schnür deinen Schuh.“ Zum Glück kannten wir das Gedicht nicht, das mit dem Satz endet: „Es kommen härtere Tage.“

Martin Rupps
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