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Berliner Tabuthema Gesundheit

11.07.2019, von

Martin Rupps

Martin Rupps meint … (Foto: SWR)

Immer wieder fallen deutsche Politiker um. Nicht nur bei Sachfragen, sondern auch ganz wörtlich. Joachim Gauck während seiner Amtszeit als Bundespräsident, Bundesinnenminister Horst Seehofer oder vor Jahrzehnten – sogar ein Dutzend Mal – der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt wegen Herzproblemen. Immer blieb das geheim oder von der Öffentlichkeit wenig bemerkt. Bundeskanzlerin Angela Merkel kam innerhalb weniger Wochen drei Mal bei öffentlichen Terminen ins Zittern. Das blieb nicht geheim, alle Welt hat es gesehen.
 
Dass die Bundeskanzlerin bei Fragen nach ihrer Gesundheit herumdruckst, hat mit den übermenschlichen Erwartungen von Regierten an Regierende zu tun. Frau Merkel und Co. sollen sich rund um die Uhr für die ihnen politisch anvertrauten Menschen abrackern, dabei nie schwächeln und schon gar nicht krank werden. Frau Merkel versucht aktuell zwischen dem Bild, das wir uns von ihr machen wollen, und dem Bild, das sie tatsächlich abgibt, eine Brücke zu bauen. Das muss natürlich schiefgehen.
 
Angela Merkels Es-geht-mir-gut-Beschwichtigungen erscheinen mir menschlich verständlich, aber kulturell von gestern. Wir sind schon weiter, zum Glück. Unsere politische Kultur ist bunter und persönlich ehrlicher geworden. So spielt die sexuelle Orientierung einer Politikerin bzw. eines Politikers keine Rolle mehr. Sie und er kann sich auch kleiden, wie sie/er will. In einer solchen Kultur hat das Eingeständnis eines Burnout (wie kürzlich von Sahra Wagenknecht) oder einer Krankheit selbstverständlich ihren Platz.

Martin Rupps
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