. .

Deutsche Bühnen den Deutschen!

27.06.2019, von

Martin Rupps

Martin Rupps meint … (Foto: SWR)

Zwei AfD-Abgeordnete in Baden-Württemberg wollen von der Landesregierung wissen, welche Staatsangehörigkeiten Tänzerinnen und Tänzer an staatlichen Theatern im Land haben und wo sie ausgebildet wurden. Dieselben Fragen gelten auch für Orchestermusiker und „Mitglieder“ von Opernstudios.
 
Tatsächlich handelt es sich nur formal um Fragen, eigentlich sind es Statements. Die AfD drückt indirekt aus (freilich ohne es ausdrücklich zu behaupten), dass vor allem deutsche Künstler auf deutsche Bühnen gehören. Deutsches Kulturgeld den Deutschen! Sollen doch nichtdeutsche Künstler auf Bühnen ihrer Heimat spielen.
 
Verständlicherweise ist die Wut in Politik und Kultur über die neue Deutschtümelei groß. Doch dieser Wut Luft zu machen, halte ich für die genau falsche Reaktion. Die AfD erreicht, was sie erreichen will: Sie erhält eine Öffentlichkeit, die sie nicht verdient, denn es geht ihr nicht um politische Debatten, sondern um die Themenhoheit über deutsche Stammtische. Ob „Vogelschiss“-Zitat oder diese Anfrage: Hauptsache, man redet über sie. Dafür jagen sie alle paar Wochen eine neue Sau durchs Dorf.
 
Für mich gibt es darauf nur zwei sinnvolle Reaktionen: Totschweigen oder auf witzige, spektakuläre Weise reagieren, was dann vielleicht auch die Stammtische erreicht. Bei der nächsten Inszenierung von Verdis „Macbeth“ könnte der Sänger eine Jörg Meuthen-Maske tragen. Die künstlerische Paraderolle für Alice Weidel wäre eine Intrigantin, die gemäß Libretto zur Hölle fährt.

Martin Rupps
Multimediale Chefredaktion

Sie sind meiner Meinung oder, noch besser, Sie sind es nicht? Schreiben Sie mir: martin.rupps@swr.de

Die Kolumne „Martin Rupps meint…“ erscheint als Teil des „SWR Aktuell Newsletter“. Der Newsletter informiert nachmittags kompakt via E-Mail über das Wichtigste des Tages und bündelt Links sowie Programmtipps zu SWR Angeboten. Sie können ihn hier kostenlos abonnieren. 

Schreibe einen Kommentar

*

Archiv

Kategorien

 

Der SWR ist Mitglied der ARD.

Impressum | SWR ©2019