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Preußen scheitern sogar an einer Burgruine

25.06.2019, von

Martin Rupps

Martin Rupps meint … (Foto: SWR)

Stolz und tot thront die Burg Rheinfels über dem Mittelrheintal, seit sie Ende des 18. Jahrhunderts von französischen Revolutionstruppen gesprengt wurde. Der Bürgermeister des Städtchens St. Goar, Horst Vogt, nennt die Burgruine „das Herz von St. Goar“ – ein hoffentlich nur anatomisch verrutschtes Bild.
 
Das Herz des Bürgermeisters brauchte möglicherweise einen Defibrillator, als die Kampfhandlungen um die Burg Rheinfels nach hunderten von Jahren kürzlich wieder aufflammten. Georg Friedrich Prinz von Preußen, Urenkel des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. und derzeitiger Chef des Hauses Hohenzollern, zog mit seinen juristischen Truppen gen Koblenz, um am Landgericht die Burgruine zurückzufordern. Tatsächlich hat sie sich bis 1924 im Besitz der Hohenzollern befunden.
 
Das war der Ernstfall. Dank vieler Kleinkriege und Weltwehen verloren die zollernschen Linien Schlösser und Burgen im Südwesten. Welche Schmach! Sie zu tilgen, sah der Preußenprinz plötzlich eine Möglichkeit und argumentierte, die Stadt St. Goar habe gegen den Vertrag zum Erwerb und Unterhalt von Burg Rheinfels verstoßen.
 
Die preußische Gefahr im Mittelrheintal ist fürs erste abgewendet, weil das Begehr des Kaisersprosses abschlägig beschieden. Doch der Prinz will weiter prozessieren, bis wieder eine Hohenzollern-Flagge auf Burg Rheinfels weht.

Martin Rupps
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