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1.000 Euro auf der Toilette

24.06.2019, von

Martin Rupps

Martin Rupps meint … (Foto: SWR)

Eine 24-Jährige ging beim Mainzer Johannisfest auf eine mobile Toilette und fand ein Portemonnaie mit 1.000 Euro. Sie brachte die Geldbörse zur Polizei, die rasch die Besitzerin ermittelte: Die Betreiberin einer Imbissbude hatte ihre Tageseinnahmen auf dem stillen Örtchen verloren und gedanklich auch schon abgeschrieben.
 
Hätten auch Sie das Geld zur Polizei gebracht?
 
Forscher aus der Schweiz und den USA haben jetzt wissenschaftlich erforscht, wie Menschen in einer vergleichbaren Situation handeln. Hierzu ließen sie gut 17.000 Geldbörsen mit unterschiedlich hohen Geldbeträgen an Hotelrezeptionen, Banken, Kinokassen, Poststellen, Polizeiwachen oder Ämtern abgeben – immer verbunden mit der Bitte, die Portemonnaies an die eigentlichen Besitzer zurückzugeben.
 
Das Ergebnis überraschte die Forscher: Je höher die Beträge waren, desto mehr Geldbörsen wurden zurückgegeben. Unabhängig von Land, Geschlecht und Alter. Offenbar steigt mit dem Geldbetrag nicht nur die Phantasie, was man mit so viel Geld anfangen kann, sondern auch das schlechte Gewissen. 1.000 Euro wiegen ganz wörtlich schwerer als 100.
 
Die ehrliche Finderin vom Mainzer Johannisfest mag über das Ergebnis der Studie enttäuscht sein, denn sie hat gehandelt wie ziemlich viele Menschen in der gleichen Situation. Ich finde, das schmälert das persönliche Format dieser Frau keinesfalls!

Martin Rupps
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