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Beim Evangelischen Kirchentag endet Deutschland an der Zonengrenze

19.06.2019, von

Martin Rupps

Martin Rupps meint … (Foto: SWR)

Von Mittwoch bis Sonntag ist Dortmund Schauplatz des 37. Deutschen Evangelischen Kirchentags. Spitzenpolitiker aller im Bundestag vertretenen Parteien werden dort sprechen außer Vertreter der AfD. Eine Kirche mit dem Anspruch, allen Menschen in Deutschland ein Angebot zu machen, verweigert sich dem Dialog mit einer Partei, die bei der letzten Bundestagswahl 5.878.115 Zweitstimmen erhielt.
 
Ziemlich selbstherrlich erklärte Kirchentags-Präsident Hans Leyendecker am Mittwoch im SWR1 Interview, man werde doch das Gespräch mit AfD-Wählern auf dem Kirchentag suchen. Würde ich die AfD wählen, wäre ich nach diesem Boykott mit der Evangelischen Kirche fertig.
 
Kein Geringerer als der evangelische Theologe und frühere Bundespräsident Joachim Gauck hat die Nichtachtung der AfD – sicher nicht zufällig kurz vor dem Kirchentag – kritisiert. „Wenn man so tue, als sei die AfD nicht da (…), bewege sich in diesem Lager nichts.“
 
Doch der Mann hat im Kirchentags-Präsidium fast keine Stimme. Wenn ich richtig gezählt habe, leben nur drei der 32 Präsidiumsmitglieder in Ostdeutschland. Hans Leyendecker hat, wie er im SWR1-Interview sagte, sein Präsidiums-Büro im Dortmunder Fußballstadion. Hauptsache, Herr Leyendecker kann es sich bei seiner Arbeit so behaglich wie möglich machen!
 
Die politischen Hochburgen der AfD liegen in Ostdeutschland, wo in diesem Herbst drei Landtagswahlen stattfinden. Vor diesem Hintergrund ist die Ignoranz der Kirchentagsleitung nicht nur ärgerlich weil wenig christlich, sondern fahrlässig.

Martin Rupps
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