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Die SPD – a schene Leich!

04.06.2019, von

Martin Rupps

Martin Rupps meint … (Foto: SWR)

Die Bilder von der Sarkophag-Öffnung in der Mainzer Johanniskirche haben mich heute in Bann gezogen. Wer trifft schon einen Geistlichen, der mutmaßlich seit über 1000 Jahren tot ist? Leider sieht man ihm sein Alter ganz wörtlich an, nur wenige Bein- und Hüftknochen sind erhalten.
 
Eine andere Leiche dagegen ist „a schene Leich“, wie der Österreicher sagen würde – zwar noch keine 1000 Jahre alt, aber genauso tot. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands, kurz SPD, wie sie Generationen von Menschen erlebt und gewählt haben, verschied bei der Europawahl am Sonntag nach schwerer Krankheit.
 
Die Akteure im politischen Berlin stehen jetzt um den Sarkophag der SPD wie weiland die Trauergemeinde, die Erzbischof Erkanbald (oder einen anderen Geistlichen) zur letzten Ruhe trug. Ein paar Verzweifelte versuchen noch Reanimierungsmaßnahmen, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Dabei kam der Tod langsam und für alle sichtbar über die Partei. Zuletzt entwich ihrem geschwächten Körper mit Andrea Nahles die Seele.
 
Unionspolitiker bekennen ihre Treue zur Verstorbenen, als beteten sie den Rosenkranz. Die Heilige Dreifaltigkeit („Trio“) aus Malu Dreyer, Manuela Schwesig und Thorsten Schäfer-Gümbel verwalten den Nachlass. Die Rituale rund um den Tod sind in über 1000 Jahren gleich geblieben. Ich wüsste gern, wo man den Sarkophag der alten Tante SPD in 1000 Jahren öffnet.

Martin Rupps
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