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Die Stechuhr für Alle

14.05.2019, von

Martin Rupps

Martin Rupps meint … (Foto: SWR)

Der Europäische Gerichtshof hat am Dienstag entschieden, dass Arbeitgeber in der EU die Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter komplett erfassen müssen. Nur eine vollständige, objektive und verlässliche Erfassung stelle die Rechte von Arbeitnehmern sicher – etwa dass sie ihre Überstunden tatsächlich auch ausbezahlt bekommen. In Deutschland haben Unternehmen bislang nur die Pflicht, Überstunden zu protokollieren.
 
Dieser Richterspruch könnte in die Wirtschafts- und Sozialgeschichte von Deutschland und Europa eingehen, denn er nimmt alle Unternehmen zwischen Lappland und Malta an die Kandare – auch jene, die Arbeitsschutzgesetze missachten und Beschäftigte nicht angemessen bezahlen.
 
Auch in Deutschland kommt jetzt die Stechuhr nicht nur für viele, sondern für alle Arbeitnehmer. Der Stundenzettel – wie immer er aussehen wird – erlebt in punkto Überstunden und Heimarbeit eine Renaissance. Das wird viele Nerven kosten und vielleicht nicht immer die Arbeitnehmer zu ihrem Recht kommen lassen, wie es der Europäische Gerichtshof erhofft.
 
Für die junge Generation von Arbeitnehmern, die das Verhältnis von Arbeits- und Lebenszeit in eine neue Balance bringen will, ist das Urteil ein Glück. Mit dem vom Europäischen Gerichtshof nun vorgeschriebenen „Fahrtenschreiber“, der wie in einem Auto Dienst- und Privatfahrten genau dokumentiert, wird eine solch bewusste Lebensplanung leichter.
 

Martin Rupps
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