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Nicht Hymnen, sondern Arbeitsplätze schaffen Patrioten

09.05.2019, von

Martin Rupps

Martin Rupps meint … (Foto: SWR)

Der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) möchte einen neuen Text für die Nationalhymne, mit dem sich Ost- und Westdeutsche gleichermaßen identifizieren können. „Einigkeit und Recht und Freiheit“ würden viele Ostdeutsche auch nach 30 Jahren nicht mitsingen, so Ramelow in einem Zeitungsinterview.
 
Die Beobachtung von Bodo Ramelow mag zutreffen. Wer in der ehemaligen DDR groß wurde, hatte als Staatsbürger andere emotionale Anker. Er besaß einen anderen Pass und sang eine andere Hymne mit einem anderen Text.
 
Noch schwerer wiegen die Brüche, die das Leben vieler Ostdeutscher mit der „Wende“ erfuhr. Mehrere Generationen von Ostdeutschen können die deutsche Einheit weniger mit Mauerfall und neuen Freiheitsrechten verbinden als mit Arbeitslosigkeit und dem Verlust der Heimat. Diese Verletzungen übertragen sie ungewollt auf die Jungen.
 
Es gibt für diese Generationen wohl kein Mittel gegen das Gefühl existenzieller Verlorenheit. Ein neuer Text für die Nationalhymne schon gar nicht.
 
In der alten Bundesrepublik hat nichts so sehr die Loyalität zum Staat gestärkt wie wirtschaftlicher Wohlstand. Bürger mit einem Arbeitsplatz und bezahlbaren Wohnraum singen kräftig mit, wenn die Nationalhymne erklingt. Um Arbeitsplätze und bezahlbaren Wohnraum darf sich der Spitzenpolitiker Bodo Ramelow gern kümmern!

Martin Rupps
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