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Geld zurück, Herr Koch!

08.05.2019, von

Martin Rupps

Martin Rupps meint … (Foto: SWR)

Der Aufsichtsrat des Mannheimer Industriedienstleisters Bilfinger hat beschlossen, von zwölf früheren Managern Millionenbeträge – unter ihnen der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch – zurückzufordern. Sie sollen Korruption und Bestechung im Unternehmen zu wenig bekämpft haben.
 
Manager waren in Deutschland mal angesehene Leute. Namen wie Alfred Herrhausen oder Dietmar Hopp stehen dafür. Sanierer-Typen wie Ron Sommer und Hartmut Mehdorn, die das Strohfeuer liebten, erschütterten das Ansehen ihres Berufsstands. Völlig versemmelt haben es ein Thomas Middelhoff oder Rupert Stadler. Sie wissen, wie ein Gefängnis von innen aussieht.
 
Der Sturz der Managerzunft in die Wirklichkeit ist auf eine Weise bedauerlich, denn Manager großer Unternehmen bleiben Identifikationsfiguren gegenüber Mitarbeitern und Geschäftspartnern. Der menschliche Faktor kann Vertrauen schaffen, das sprichwörtliche Glas halb voll oder nicht halb leer erscheinen lassen.
 
Andererseits kommt die Erkenntnis, dass Gesetze für alle gelten, in Unternehmen endlich ganz oben an. Dass ein Aufsichtsrat wie der von Bilfinger überhaupt beschließt, frühere Manager in Regress nehmen zu wollen, wirkt stilbildend in punkto Unternehmenskultur. Ein Aufsichtsrat deckt die Fehler höchster Angestellter nicht länger zu. Selbst wenn sich erweist, dass Roland Koch und Co. keinen Cent zurückzahlen müssen, leistet Bilfinger einen Beitrag zum sozialen Frieden.
 

Martin Rupps
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